26•05•2017 ••

Mein München Teil 1

Schwabiner Hof-Flohmarkt
Flohmarkt

Ich freue mich schon lange vorher auf diesen Tag. Dabei stehe ich immer vor der schweren Entscheidung: Soll ich selber am Flohmarkt teilnehmen und überflüssigen Ballast loswerden oder erkunde ich die Hinterhöfe meiner Nachbarschaft und meines Viertels. Da ich am Samstag-Nachmittag noch andere Pläne habe, entschließe ich mich für die Erkundungstour. Den Wettervorhersagen zum Trotz scheint am Samstag-Morgen die Sonne und es wird mal wieder ganz deutlich: 


Der Wettergott muss ein Münchner sein! 


Ich schnappte mir also mein Radl (mit dem Rad oder zu Fuß kommt man am besten voran) und startete meine Tour durch Schwabing.

Für mich, aber wahrscheinlich auch für alle anderen, haben die Hof-Flohmärkte ein ganz besonderes Flair. Im Gegensatz zu den klassischen Flohmärkten stehen die Hof-Flohmärkte für so viel mehr. Es gibt glücklicherweise wenig professionelle Händler und so ist es Entdeckungs-Tour, Nachbarschaft kennenlernen, Kommunikation (sprich ratschen), Schnäppchen-Jagd und viel Spaß in Einem. Es ist einfach noch ein richtiger Flohmarkt. So, wie man sich ganz kitschig-romantisch einen Flohmarkt eben so vorstellt. Man streunt durch Kurioses und Antikes, immer in der Hoffnung, die wirklich richtigen Schätze zu entdecken. Und das ist ja auf einem Hof-Flohmarkt durchaus möglich! Ich bin zumindest jedes Mal felsenfest davon überzeugt, mindestens einen dieser Schätze ausfindig zu machen. Manchmal ist so ein „Schatz“ auch einfach nur eine gute Unterhaltung mit einem Nachbarn, den man sonst nur vom Vorbeiradeln kennt und ab diesem „Ratsch“ freundlich grüßen kann. Eine Bereicherung mehr eben!

Ich radle also die Türkenstraße entlang und eine meiner ersten Anlaufstellen ist die Friedrichstraße. Ich kann das Gefühl kaum beschreiben, das mich beschleicht, als ich um die Hausecke in einen Hinterhof biege und mir leise Klaviertöne und der Geruch von gebackenen Waffeln entgegenschlagen. Ach, ist das alles fein hier! An einem elektrischen Klavier sitzt tatsächlich Elvis in Schlaghosen, schwarz gefärbtem Haar und Sonnenbrille und spielt Balladen, was das Zeug hält. Kaum vorstellbar, aber das ist eben Schwabing. Hier gibt es noch Gestalten wie aus Helmut Dietls „Monaco Franze“. Zwei kleine Mädls, von oben bis unten mit Waffelteig verschmiert, sind  wohl selbst ihre besten Kunden. Eine Waffel, die schon am Boden lag, wird ganz schnell hochgehoben, abgepustet und mit vieeeel Puderzucker bestäubt, damit man die Erdkrümel nicht so sieht. Zwei ältere Damen erzählen sich kichernd Geschichten von früher, während sie wundervolle alten Handtaschen, antiken Modeschmuck und alte skurrile Hüte verkaufen. Eigentlich könnte ich an diesem Ort hier schon meinen gesamten Tag verbringen, weil es sooo schön und authentisch ist. Aber das ist ja erst der Anfang und ich weiß, es gibt noch so viel zu entdecken. Mittlerweile sind auch schon so viele Leute unterwegs, dass ich mich entschließe, das Radl zu parken und zu Fuß weiterzugehen. Hier an der Ecke steht eine schwarze Hochglanzdame und dort locken mich traumhaft schöne Korbsessel, und da hinten gibt es eine sehr schöne Rokoko-Figur aus Porzellan. Ich merke, ich falle so richtig in einen Flohmarkt-Rausch und ich muss mich schon sehr zusammenreißen, dass ich nicht mit einem Lastwagen voller Sachen nach Hause fahre.


Am Ende meiner Tour komme ich dann doch mit einem Sack voller wunderbarer Dinge zu Hause an.


Nämlich: den Erlebnissen, erzählten Geschichten, Eindrücken und Erinnerungen an einen traumhaften Tag in den Hinterhöfen mit ihren Bewohnern.

Das erste Mal fanden die Schwabinger Hofflohmärkte übrigens im Jahr 2000 statt. Ins Leben gerufen durch Dorothee Fichter von der Nachbarschaftshilfe in der Seidlvilla. Es beteiligten sich damals gerade mal 33 Höfe in Schwabing. Denn schließlich wollte man vor den Nachbarn ja auch nicht zur Schau tragen, was man da so alles im Keller angehäuft hat. Mittlerweile hat sich das Gebiet der Teilnehmer sehr erweitert und es gibt über 300 angemeldete Hausgemeinschaften und natürlich jede Menge Trittbrettfahrer. Die Hof-Flohmärkte haben sich nach diesem Erfolg auch in anderen Stadtvierteln etabliert. So muss ich nicht mehr ein ganzes Jahr auf den nächsten Hof-Flohmarkt warten, sondern muss nur mein geliebtes Schwabing verlassen und mich ins Glockenbachviertel, die Au oder Haidhausen verirren. Aber auch da gibt es wunderschöne Hinterhöfe. Aber natürlich nie so zauberhaft verwunschen wie in meinem Schwabing. 

Der nächste Termin ist zum Beispiel am Samstag, 24.06.2017, 10 bis 17 Uhr im Glockenbach (bei Dauerregen wird der Termin um 1 Woche verschoben).

Die Hof-Flohmärkte sind für mich gelebte Nachhaltigkeit und die Liebe zum Guten der alten Zeit.

Ach, mein München!

 

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