25•09•2017 ••

Rätätä Rätätä morg'n hamma Schädelweh ...

Wiesn 2017

Über die Wiesn gibt es alles und nichts zu sagen. Entweder man mag sie, oder man mag sie eben nicht. Dazwischen gibt es nicht viel. Spontan hätte ich gesagt, ich bin kein Wiesn-Fan. Als ich jetzt aber mal so ein bisschen drüber nachgedacht habe, musste ich mir eingestehen:


Eigentlich mog i’s scho, die Wiesn!


Schon alleine deshalb, weil München dann in einer Art Ausnahmezustand versinkt. Nicht nur auf der Wiesn, sondern in ganz München sieht man schon am Morgen nur noch Dirndl und Lederhosen auf den Straßen. Das macht München dann eben auch zu München.

Jedes Jahr stelle ich wieder aufs Neue fest: Ich bin schon ganz schön oft draußen, auf der Wiesn. Los geht es immer traditionell mit dem Anstich am ersten Wiesn-Samstag. Nein, stimmt gar nicht. Los geht es damit, dass ich mein Schlafzimmer in einen Fachhandel für Dirndl umdekoriere. Ich hole alles an Tracht heraus, was ich finden kann, und drapier es um mich herum. Da gibt es Dirndl, Schürzen, Blusen, Trachtenschmuck, Unterröcke, Haargestecke, Trachtenjacken und natürlich auch die passenden BHs. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel sich da über die Jahre angesammelt hat. Und doch hat man jedes Jahr wieder das Gefühl: Ein neues Dirndl muss her. Ich finde aber auch, dass fast jeder Frau ein Dirndl steht und es immer sehr hübsch aussieht. Klar kommt’s natürlich auch auf das Dirndl an.

 Ich persönlich bin ja ein Fan vom ganz traditionellen Dirndl in ebenso traditionellen Farben und Mustern und lang muss es sein. Solche, die man am besten in die Waschmaschine schmeißen kann. Bei all den „Barbie-Dirndln“, die ich auch heuer schon wieder gesehen habe, stellen sich mir persönlich ganz ehrlich die Nackenhaare auf. Spitze hier und Glitzer da, dazu in Bonbonfarben und am besten sind sie so kurz, dass man beim Bücken die Unterwäsche inspizieren kann. Das hat für mich nichts mehr mit einer schönen Tracht zu tun. Aber klar, das kann jede machen, wie sie mag. Oktoberfest-Zeit ist eben auch Dirndl-Zeit und darauf freue ich mich am allermeisten. 

Wiesn-Fakten (2016)

Besucher: 5,6 Millionen
Bierausschank: 6,6 Millionen Maß
Brathendlverzehr: 366.876 Stück
Ochsen: 116
Gebrannte Mandeln: 28.377 Kilo
Stromverbrauch; 2.708.001 Kilowattstunden (davon könnten rund 1.200 Münchner Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden!)
Restmüll: 773 Tonnen


Und dann geht es eben los, am ersten Samstag. Und ich finde es doch immer wieder schön, das erste Mal, wenn man aus der U-Bahn auf die Festwiesn raustritt und einem der Geruch von gebrannten Mandeln, gegrillten Würschtl, Steckerlfisch und sonstigen Süßkram in die Nase steigt. Man kämpft sich durch die Massen Richtung Zelteingang, nimmt im Zelt seinen Platz ein und wartet auf das erlösende O’zapft is.

 

Und kaum eine Maß weiter findet man sich, wie jedes Jahr stehend auf den Bänken und zu sonst völlig indiskutablen Liedern, laut singend und tanzend. Und genau dann hat mich die Wiesn wieder in ihren Bann gezogen. Spätestens bei „Weus'd a Herz host wia a Bergwerk, weus'd a Wahnsinn bist fia mi, steh' i auf di“, schunkelt man mit dem gesamten Nachbartisch und ist sich einig: „Mei, is des sche!“ Zum krönenden Abschluss trinkt ma no a Schnapserl und dann...

... Bin ich jedes mal wieder überrascht, wie die Zeit verfliegt und es plötzlich schon wieder „Reservierungswechsel“ ist. Außer man gehört zu der ganz harten Sorte, die gleich beide Schichten mitmacht. Das habe ich bisher nur zweimal in meinem Leben geschafft und habe es jedes Mal sehr lange bereut.

Leicht angeschickert tritt man also nach draußen und marschiert dann zielsicher zu den Fahrgeschäften. Dieses Jahr gibt es einen 80 Meter hohen „Free-Fall“. Das muss man nicht haben, aber die Aussicht von ganz oben soll gigantisch sein. ICH steig da lieber ins ganz gemächliche Riesenrad. Da ist die Aussicht auch super, man hat ein bisschen länger was davon und blickt beim Abwärtsfahren dem Tod nicht ganz so direkt ins Auge. Und magenschonender ist es auch, nach dem Festzelt.


Lustige Wiesn-G’schichten:

Auf der Wiesn gibt es auch ein spezielles Wiesn-Fundbüro. Und dort werden während der Wiesn skurrile und lustige Dinge abgegeben. Im letzten Jahr waren das so in etwa 3.500 „Dinge“. Darunter waren 764 Kreditkarten und Ausweise, 810 Kleidungsstücke, 656 Geldbeutel, 410 Handys, 220 Schlüssel, 256 Brillen, 83 Taschen, 55 Schmuckstücke. Die exquisiten Dinge aber sind: 2 Paar Stöckelschuhe, eine Kinderlederhose, ein Paar roter Lackgummistiefel, ein Blutdruckmessgerät, zwei Hörgeräte, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (für die Dauer der Wiesn), zwei Romane, ein rosa Fotoapparat, eine städtische Stempelkarte und vier Gebisse, und ein echter Bayer fragte im Fundbüro nach seiner „Oiden“. Die wurde allerdings nicht gefunden, zumindest nicht abgegeben!


Auf dem Weg zur „Wilden Maus“ gibt es natürlich gebrannte Mandeln. Gehört einfach dazu! Die Wilde Maus ist eines meiner Lieblingsfahrgeschäfte. Sieht total harmlos aus, ist sie aber nicht! Zumindest hat man davon am nächsten Tag immer eine Reihe blauer Flecke und während der Fahrt ein paar „Fast-Herzinfarkte“. Gleich neben der Wilden Maus steht der Toboggan. Das ist immer der krönende Abschluss eines Wiesntages. Da steht man, mit der Tüte Mandeln in der Hand und schaut sich an, wie die Madln und Buam mit einem Förderband nach oben geschleift, gekarrt und gezerrt werden. Je später der Abend und je mehr Alkohol im Spiel, umso lustiger wird es.  Wenn man es tatsächlich bis oben geschafft hat, darf man auf einer alten Holzrutsche auch wieder runterrutschen. Ich wundere mich jedes mal wieder aufs Neue, welche Einschätzung die Herren da von sich haben. All die Platzhirsche, die große Reden schwingend einsteigen und wie ein verunglückter Käfer auf dem Rücken oben ankommen. 

 

Und dann ist der erste Wiesntag auch schon rum. Welch Glück, dass noch weitere 17 folgen! Und ...


„Schädelweh hamma morg'n woarscheinli scho!


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