13•06•2017 ••

Schule... und wie komme ich lebend aus dieser Situation heraus?

Schule & Hausaufgaben

Mein Sohn geht in die 8. Klasse. Und er...  pubertiert. Leider verhält sich seine Motivation – nämlich sich so unwichtigen Dingen wie dem Lernen zu widmen – nicht wirklich proportional zu den steigenden Ansprüchen, die die Schule genau jetzt an ihn hat.

Manchmal habe ich das Gefühl, die Ansprüche der Schule richten sich auch nicht wirklich an ihn, sondern an mich. Zumindest empfinde ich das so. Ich durchlebe die 8. Klasse zum zweiten Mal! Und nicht nur die 8. Klasse. Alle vorangegangenen Klassen ebenfalls und die folgenden wahrscheinlich auch. Nun gibt es sicher Stimmen die sagen, man müsse die Kinder schon früh zu selbstständigen Wesen erziehen und sie eigenverantwortlich handeln lassen. Aber Kinder sind eben verschieden und MEINES ist auch verschieden!


Der tägliche Alptraum beginnt damit, dass die erforderlichen Hefte und Bücher für anstehende Hausaufgaben oder Lernvorbereitungen natürlich nie in der Schultasche zu finden sind. 


Vielmehr wurden sie vergessen oder sind auf wundersame Weise verschwunden. Manchmal gibt es tatsächlich noch Fragmente, die aber leider unvollständig oder in so zerknitterter und bemalter Form vorliegen, dass sie leider völlig unbrauchbar und nicht lesbar sind. Nachdem man dann mühsam die erforderlichen Aufzeichnungen von doch besser organisierten Mitschülern auf dem Smartphone organisiert hat, geht die große Entzifferungsorgie los. Die Kommilitonen sind zwar im Besitz der Aufzeichnungen, aber in derartig hieroglyphischer Form, dass mir jedes entzifferte Wort einen Freudenschrei entlockt. Hat man endlich die erforderlichen Aufzeichnungen einigermaßen vollständig dechiffriert, hat man damit ja erst mal nur die Basis für die bevorstehende Schlacht. Zuerst wird mal sehr ausführlich erklärt, dass man gar nicht wisse, was zu tun sei und dass das, was Mama vorschlägt, gar nicht gefordert wäre, die Lehrerinnen das ganz anders erklärt hätten und überhaupt, warum man denn überhaupt diesen ganzen Mist wissen müsse... Im Zeitalter von Google, Minecraft und Wikipedia wäre das alles überflüssiger Ballast!

...Mir fehlen die Worte und vor allem das Verständnis! Ich erkläre ihm, dass, wenn ein Arzt während einer OP erst mal Wikipedia und Google zu Rate ziehen muss, das sicher nicht so lustig für den am OP-Tisch-Liegenden wäre. Der Einwurf prallt an ihm ab und findet wenig Zustimmung und Einsicht. 

Hat man dann so ein „Lernwochenende“ endlich einigermaßen unbeschadet überstanden, ist selbst wieder um viele Informationen über Ungleichungen, Gleichungen, Blutkreisläufe und tropische Regenwälder reicher, kommt am Sonntagabend noch ein leiser, ganz leiser Einwurf: Man hätte da tatsächlich noch eine verhängte Strafarbeit übersehen und die sollte doch am nächsten Morgen pünktlich vorliegen, denn sonst gäbe es eventuell stärkere Sanktionen. Für mich sind diese „stärkeren Sanktionen“ in diesem Moment ein sehhhhhhr verlockendes Angebot. Auf alle Fälle verlockender, als jetzt „Just-zu-Tatort-Beginn“ die gesamte Hausordnung zu diktieren.


Ich bin kurz davor, einen „häuslichen Tatort“ zu schaffen!


Zerknirscht und äußerst schlecht gelaunt beginne ich das Diktat mit dem noch schlechter gelaunten Kind. Vier Seiten Hausordnung in 6-Punkt-Schriftgröße. Ein Sonntag-Abend der Extraklasse! Wieso gab es denn diese Strafarbeit überhaupt? Guuute Frage! Das Kind ist sich natürlich keiner – aber auch gar keiner Schuld bewusst und wurde völlig unschuldig zu dieser Arbeit herangezogen. Schuld waren alle Anderen, nur er selbstverständlich nicht. Der Lehrer wollte nur ein Exempel statuieren und genau diesem Umstand ist er zum Opfer gefallen. Peng! Warum nur fällt mir das so schwer zu glauben?

Eine weitere Herausforderung ist das Management der bevorstehenden Schulaufgaben, Exen und Referate. Ganz klar: Das ist nicht meine Aufgabe! Schließlich habe ich selbst genug um die Ohren. Aber leider funktioniert das nicht. Denn im Glücksfall werde ich nur über jede dritte und vierte bevorstehende Prüfung informiert und das möglichst erst einen Tag vor Prüfung. Ein Trost ist es aber, dass es wohl allen anderen Eltern genauso geht. Denn man hat jetzt ganz „zeitgemäß“ eine Whats-App-Klassengruppe gebildet. Wenn man die einzelnen Informationen so zusammenträgt, kommen wir auf ein ganz brauchbares Ergebnis. Zumindest ist der Großteil der Prüfungsinformationen abgedeckt. So kämpfen wir uns Tag um Tag, Wochenende um Wochenende und Monat um Monat durch das 8. Schuljahr. Immer in der Hoffnung, dass sich der Schalter ja täglich umlegen könnte und man dann seiner Aufgaben als Lern-Coach enthoben wird.

Viel entspannter kann ich die Situation allerdings angehen, seit ich neulich ein Gespräch mit seinem Klassenlehrer hatte. Sein Kommentar auf meine Erzählungen und Befürchtungen war nämlich: 


„Seien Sie froh, wenn Sie beide lebend aus dieser Phase herauskommen...“ 


Ups, so habe ich das noch gar nicht gesehen! Und gerade sind ja auch Ferien und überhaupt...

Gibt es unter euch auch so Überlebenskünstler? Dann freue ich mich auf Zuspruch und eure Geschichten.

Kommentare

Iris Bärwind
24•08•2017
Haaaaallo! Wahnsinn! Warum habe ich diesen schönen Blog erst gestern entdeckt, und warum habe ich diesen Text nicht schon früher gelesen. DAS ist/war MEIN Leben! Genauso ging es bei uns Jahr für Jahr zu. Jedes Schuljahr durchlebte ich zum zweiten Mal in meinem Leben, das 9. sogar dreimal ;-) Und das Gymnasium betonte das mit den selbstständigen Kindern, Freunde riefen, ich müsse ihn machen lassen, und keiner glaubte mir, dass man ihn eben "nicht" machen lassen konnte. Leider muss ich Dir auch sagen, dass sich das nicht besserte, und nach der 9. Klasse dann Schluß sein "musste". Eine schlimme Zeit - aber jetzt ist es dafür umso schöner, denn er hat dann eine Ausbildung begonnen, richtig Freude daran - und dieser ganze Schulstress, der uns ganze Wochenende, die Stimmung, den Familien- und meinen Seelenfrieden fast zerstört hätte, ist Vergangenheit. Und nach der Ausbildung sind die Synapsen vielleicht endlich wieder zusammen, und dann kann er selbst weiterlernen, wenn er möchte. Und Du hast soooo Recht: Jedes Kind ist nun mal verschieden, und bei meinem jüngeren Sohn läuft es ganz anders. Den muss man fast bremsen. Wir können also mit unseren Gefühlen, ob wir uns einmischen müssen oder nicht, nicht so falsch liegen. Ich drücke Dir die Daumen, dass Ihr es schafft, die Schule nicht zu dominant werden zu lassen, und trotzdem einen guten Weg findet. Liebste Grüße, Iris
FTF, Uli Heppel
24•08•2017
Liebe Iris, was habe ich mich heute Morgen über diesen netten Kommentar gefreut! Und als Mutter, die ständig immer wieder mit ihren Erziehungsmethoden hadert, bin ich ganz besonders froh zu lesen, dass ich damit nicht alleine bin. Das gibt mir ja richtig Hoffnung :-) Denn eigentlich haben wir ja doch ganz tolle Kinder und es tut mir oft sehr weh, dass wir uns immer wegen der Schule in die Haare bekommen. Das Leben könnte so viel unkomplizierter sein. Wir wissen, sie werden ihren Weg gehen und wir können sie bis dahin nur begleiten. Leider ist das halt manchmal ein wenig steinig... Ich finde es auf alle Fälle klasse, dass ihr es so gut geschafft habt und das Leben jetzt wieder ein anderes ist. Bis dahin habe ich wahrscheinlich noch ein bisschen, aber ich werde deinen Rat zu beherzigen. Danke noch mal für deine so aufbauenden Kommentar und hoffentlich bis bald. ♡ Uli P.S. Es freut uns sehr, dass dir unser Blog gefällt...

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