18•05•2017 ••

Shoppen für die Ewigkeit – das Kaufmuseum

An einem grauen Sonntagnachmittag treffe ich mich auf ein Interview mit Heike Bruchhausen, leidenschaftliche Sammlerin, Kunsthistorikerin und Erfinderin des „Kaufmuseums“ in München-Bogenhausen.

Uli: Heike, du bist Kunsthistorikerin und du bist die Erfinderin des Kaufmuseums. Was ist das Kaufmuseum genau und wie kommt man zu so einer Idee?

Heike: Als Teenager war ich Leistungssportlerin im Schwimmen. Mein Vater schenkte mir mit 12 Jahren einen kleinen hölzernen Schwimmreifen als Maskottchen. Ich entdeckte genau diesen Schwimmreifen im Logo für die Kaffeemarke „Kaffee Hag“. Dieser Kaffee stand für „gesundes und sicheres“ Kaffeetrinken und genau das strahlte der Rettungsring ja auch aus. Das faszinierte mich ungemein. Ich entdeckte auf einem Flohmarkt ein Geschirr der Marke Kaffee Hag und kaufte es. Und damit war meine Sammlerleidenschaft geweckt. Den „Schwimmreifen“ habe ich natürlich immer noch als Glücksbringer. Ab da verbrachte ich mit meiner Mutter, die ebenfalls ein großer Fan von schönen alten Dingen ist, unzählige Stunden auf Flohmärkten und Haushaltsauflösungen. Im In- und Ausland. Vor allem in Frankreich und Spanien. Da konnte man bezaubernde Dinge entdecken. Meine Sammlung wuchs und wuchs. Natürlich fand ich auch wunderbare Dinge neben dem Porzellan, wie zum Beispiel Emailschilder und Plakate und letztlich sammelte ich viele Dinge. Dinge, die eine „Seele“ haben, die mich begeistern und die außergewöhnlich sind. Deshalb haben meine Objekte auch „sprechende“ und sehr lustige Titel. Meine Glasfisch-Vasen heißen zum Beispiel „Dugface-Selfie“ oder „Carlota Carola“. Ich versuche auch schon beim Fotografieren sehr viel individueller auf die einzelnen Stücke einzugehen und auch hier schon die Objekt-Seele herauszuholen.

Und wie kam es nun zu der Idee des Kaufmuseums?

Natürlich wurde meine Sammlung größer und größer und natürlich gab es auch irgendwann ein Platzproblem. Auf die Idee Kaufmuseum kam ich, als mich immer wieder Freunde oder Nachbarn nach originellen und schönen Geschenkideen fragten. Schenken ist ja mittlerweile oft eine komplizierte Angelegenheit und ich merkte sehr schnell, wie viel Spaß es mir macht, die Dinge an Menschen weiterzugeben, die sich daran freuen und die besondere Stücke mit ihrer Geschichte zu schätzen wissen. Denn im Kaufmuseum findet man tatsächlich nur Stücke, die man sonst nicht so schnell findet. Es sind Antiquitäten, Gebrauchsgegenstände, Designobjekte und Kunstwerke mit Charakter, Seele und Ausstrahlung und sie müssen handwerklich solide gemacht sein. Wenn ich ein Stück entdecke, möchte ich auch immer alles darüber wissen. Ich recherchiere oft stundenlang, um Informationen über den Designer oder die Manufaktur zu bekommen. Das ist natürlich viel Aufwand, aber ich hänge nun mal auch an jedem Stück.

Ist es denn dann nicht schwer für dich, wenn jemand eines deiner Dinge kauft und du es weggeben musst?

Oh, das ist oft ganz schrecklich für mich. Irgendwie sind es doch immer „Babys“ von mir. Ich entdecke sie irgendwo, ich kaufe sie, nehme sie mit nach Hause. Meistens muss ich die Stücke erst mal stundenlang reinigen - oder wenn Teile fehlen, muss ich diese sehr mühsam und lange wieder neu suchen, um das Stück komplett zu machen. Und somit hat man sich schon mal lange mit dem Teil beschäftigt. Wenn es dann wirklich verkauft wird, ist es immer wie ein Abschied. Aber für mich ist die Nachhaltigkeit an dieser Idee auch wichtig. Dinge kommen wieder in Umlauf. Aber eine gewisse Portion an Idealismus und Passion muss man schon mitbringen.

Heißt das, du würdest dich als eine Art „Schenkberatung“ bezeichnen und kann man sich dich dann auch leisten?

(Heike lacht) Na ja, ich würde es „betreutes Kaufen“ nennen. Und klar, ich habe für jeden Geldbeutel ein „Schmuckstück“. Da habe ich einen sehr demokratischen Ansatz. Ich würde mich zwischen Ikea und teurem Antiquitätenladen sehen. Meine Preispolitik gestaltet sich auch daraus, wie teuer ich das Stück einkaufe. Und dann lege ich sehr viel Wert auf eine persönliche und individuelle Kundenbetreuung à la „Meet the art historien“. Das Kaufmuseum hat ja auch verschiedene Suchoptionen. Eine davon ist eben die über den Preis. Die Stücke sind nach Preiskategorien aufgeteilt. Das ist aber nur eine der Suchmöglichkeiten. Es gibt auch die Möglichkeit, nach „Stil“ zu suchen. Hier gibt es die Rubriken wie Klassisch, Exzentrisch, Maskulin, Feminin, Religiös, Rustikal, Lässig, Künstlerisch und Trashy. Über die Geschenk-Suche kann man Themen einkreisen. Angefangen von Geburt und Taufe über Kommunion & Firmung - Verliebt, Verlobt, Verheiratet – Männer – Kinder & Jugendliche – Hauseinweihung – Tier- und Naturliebhaber und Sonderanfertigungen. Und falls man da noch immer nicht fündig geworden ist, kann man auch einen Suchauftrag aufgeben.

Könnte man sagen, dass du hier eine Art Archiv für Alltagsgegenstände hast?

Könnte man so sagen. Allerdings müssen sie schon besonders sein. Meine Objekte haben alle einen Anspruch. Neulich hat sogar das Deutsche historische Museum für Alltagskultur in Berlin zwei Stücke erworben. Das hat mich sehr gefreut. Uli: Gibt es denn auch ein Stück aus deiner Sammlung, das nicht verkäuflich ist? Heike: Ja, gibt es. Meine Kaffee-Hag-Plakate würde ich nicht hergeben.

Das ist ja praktisch auch der Anfang von allem gewesen, oder?

Ja genau.

Heike, vielen Dank für diesen interessanten Exkurs in die Shopping-Welt für die Ewigkeit.

Unverbindlich stöbern, staunen, fachsimpeln und auch kaufen kann man übrigens im Atelier und Lager in München-Bogenhausen. Allerdings nur auf Anfrage -  täglich zwischen 11:00 und 22:00. Anmeldung unter + 49 172 8143491 oder + 49 89 9828254. Und für die Münchner gibt es zusätzlich das Schmankerl eines Liefer-Service, der für die Stadtteile, wo wir leicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad hingelangen, kostenlos ist!    

Online stöbern kann man im Kaufmuseum unter: www.kaufmuseum.de

Kommentare

Eva Wilhelm
24•05•2017
Liebe Uli, jetzt hab ich endlich mal Zeit gehabt, in eurem Blog rumzuschnüffeln. Bin ja eigentlich kein Blog-Fan. Dachte, mal schnell reinschauen... und bin gleich voll hängengeblieben. Muss sagen: find ich GROSSARTIG! Bis bald, viel Erfolg und liebe Grüße, Eva
FTF, Uli Heppel
25•05•2017
Liebe Eva, das von dir zu hören ist natürlich total schön. Ich hoffe, wir können dich auch weiterhin begeistern.

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