21•09•2017 ••

Unsere schönsten Seiten

Wir lesen wirklich immer gerne. Aber gerade jetzt wo der Spätsommer meistens dem Spätherbst gleicht, ist ja die beste Zeit, um es sich zuhause gemütlich zu machen und tolle Bücher zu verschlingen. Deswegen hier jetzt unsere Highlights der letzten Zeit …

Die Erfindung der Flügel
von Sue Monk Kidd

Geschichtliche Bücher, die nur in der Vergangenheit spielen, sind eigentlich nicht so meins. Lieber lese ich Bücher, die mich generationenübergreifend in die Gegenwart führen.

Die Erfindung der Flügel ist für mich eine rühmliche Ausnahme! Der Roman spielt im 19. Jahrhundert, bis kurz vor den Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs. Es geht um das Leben zweier Frauen in den Südstaaten zu Zeiten der Sklaverei. Zu Beginn der Geschichte bekommt Sarah Grimke zu ihrem 11. Geburtstag als Geschenk ein Sklavenmädchen namens Handful. Sarah lehnt dieses Geschenk ab, da sie in ihrem tiefsten Inneren spürt, dass es nicht richtig ist, einen Menschen zu besitzen, wird aber von ihren Eltern gezwungen, Handful zur Sklavin zu nehmen. Gegen das Gesetz bringt Sarah Handful das Lesen bei, zwischen den beiden Mädchen entsteht eine Freundschaft.  Sue Monk Kidd, die Autorin, beschreibt das Leben von Handful und Sarah so bildhaft, dass mich die Story, aber auch die Geschichte der Sklaverei sofort in ihren Bann gezogen hat. 

Obwohl Sarah in einer völlig konventionellen Familie unter der Fuchtel einer rigiden Mutter und unter der strengen Hand ihres Vaters, ein Anwalt, aufwächst, spürt sie schon früh, dass sie nicht wie andere Mädchen in ihrem Alter tickt.

Sie liest gerne und am liebsten würde sie Anwältin werden, was aber zu dieser Zeit für Mädchen noch völlig undenkbar ist.

Auch Handful passt nicht in das Bild, dass damals die Gesellschaft von einer Sklavin hatte. Angestachelt von ihrer Mutter Charlotte begreift sie schon früh, dass ihr Wunsch nach Freiheit nicht unverschämt ist, sondern Menschenrecht ist.

In abwechselnden Kapiteln erzählen Sarah und Handful ihr Leben. Sarah, auf der einen Seite, gefangen in den Konventionen der Weißen, Handful auf der anderen Seite, immer wieder mit der Grausamkeit der Sklaverei konfrontiert.

Sarah Grimké und ihre Schwester Angelina haben tatsächlich gelebt und gelten als eine der ersten Frauenrechtlerinnen und Abolitionistinnen. So erfährt man in diesem Buch nicht nur, was die Sklaverei für alle Menschen bedeutet hat, sondern erlebt auch den Beginn Frauenrechtsbewegung.

Auch der Kommentar von Oprah Winfrey zu diesem Buch ist nachdenkenswert: Ein Buch, dass einen über die eigene Lebensweise nachdenken lässt!


Ein Buch, das unbedingt verfilmt werden muss!


 

Bella Germania
​von Daniel Speck

Ein wunderschöner Liebesroman, der mich mal wieder am Ende zum Weinen gebracht hat. Das Buch ist aber nicht nur ein Liebesroman, sondern erzählt am Rande einer Liebe zwischen einem Deutschen und einer Sizilianerin auch die Geschichte der italienischen Gastarbeiter in Deutschland bis in die heutige Zeit. Und sie spielt unter anderem auch in München.:) Mich hat vor allem beeindruckt, wie klar einem wird, dass Familiengeheimnisse sich über mehrere Generationen fortpflanzen und immer wieder das Leben der Familienmitglieder bestimmen.

Die Geschichte beginnt 2014: Julia, eine Münchner Modedesignerin, ist alleine mit ihrer Mutter, einer typischen 68erin, aufgewachsen und kann sich nicht mehr an ihren Vater Vincenzo erinnern, der angeblich gestorben ist. Als sie kurz vor ihrem Durchbruch bei einer Modemesse in Mailand steht, bekommt sie Besuch von einem alten Mann, der vorgibt ihr Großvater zu sein. Der alte Mann, Vincent, erzählt ihr aber auch, dass ihr Vater noch am Leben ist und bittet Julia sich auf die Suche nach ihrem Vater zu machen. Ab jetzt werden wir nicht nur Zeuge von vielen wichtigen geschichtlichen Ereignissen der letzten Jahrzehnte, sondern auch einer wunderschönen Liebesgeschichte zwischen dem jungen Vincent aus München und Giulietta, der Großmutter von Julia, einer Sizilianerin. 


Ein richtiger Frauenroman, umso verwunderlicher, dass ihn ein Mann geschrieben hat. 


Das Buch wirkt gut recherchiert, nur einmal habe ich wirklich gestutzt. Der private Deutschunterricht von Vincenzo wird beschrieben, er lernt etwas über Goethe und dabei wird mein Lieblingsgedicht Mondnacht zitiert: 

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

…das ist nicht Goethe, sondern Eichendorff! Lieber Fischer Verlag: Das wundert mich, dass euch das durchgerutscht ist …

 

 

Endgültig
von Andreas Pflüger

(Eine Empfehlung von Monika Huber, Bekanntschaft bei two in one in München). Danke liebe Monika!

Nach der Trilogie von Stil Larsson bin ich eigentlich nicht mehr so richtig in die Welt der Krimis eingestiegen. Hin und wieder lese ich noch gerne einen Annika Bengtzon-Krimi von Liza Marklund. Aber das ist es dann auch mit meiner Leidenschaft für Krimis.

Umso skeptischer habe ich mich nach dem Buch “Endgültig“ umgesehen. Aber als Grafikerin hat mich gleich das ansprechende Cover und der knallgelbe Buchschnitt angesprochen. Und ja, das Buch zieht einen in den Bann: 

Die junge Mitarbeiterin einer geheimen Eliteeinheit der Polizei, Jenny Aaron, erblindet nach einer Schussverletzung bei einem Einsatz in Barcelona und arbeitet dann dank ihrer genialen Intuition blind als Verhörspezialistin beim BKA in Wiesbaden. Nach dem Mord an an einer Gefängnispsychologin in einer Berliner JVA wird sie fünf Jahre später von ihren früheren Kollegen angefordert, da der Mörder nur mit ihr sprechen will. 

Ganz schnell wird klar, dass der Drahtzieher der Ereignisse in Barcelona auch hinter dem aktuellen Fall steckt und Jenny Aaron einem gemeinem Rachefeldzug ausgeliefert ist, der mit ihrer Vergangenheit zu tun hat. Wie Aaron
(bei der Eliteeinheit der Polizei wird jeder ernstzunehmende Kollege nur mit Nachnamen angesprochen) trotz ihrer Blindheit  jede noch so gefährlichen Situation meistert, erinnert mich teilweise an James Bond. Aber die Geschichte um Superwoman Aaron hat mich gefesselt, zumal man erfährt, wie Blinde Räume erfassen können und sich Entfernungen merken können. Das ganze Buch spielt innerhalb von 48 Stunden, es hat auch dank der kurzen Sätze von Andreas Pflüger ein irrsinniges Erzähltempo. Manchmal fand ich es etwas komplex, aber letztenendes habe ich immer wieder zur Story zurückgefunden.


Ein Buch für ein verregnetes Wochenende. Aber du solltest nicht alleine sein :)


 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare

Katarina Schickling
22•09•2017
Danke - ich hab in meinem Sommerurlaub das suchtartige Bücher verschlingen wiederentdeckt... schön, dass ich gleich wieder neues Futter hab! Und hier noch meine Highlights aus den Ferien: - Swing Time von Zadie Smith - Underground Railroad von Closon Whitehead - Das Leben des Vernon Subutex von Virginie Despentes und - Ein Geschenk des Himmels von Lily Moriaty
FTF, Sabine Fuchs
23•09•2017
Na, dann weiß ich gleich was ich als nächste lese :). Denn ich habe ja zur Wiesn alle Zeit der Welt :)))

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