20•03•2019 ••

Der Roman deines Lebens

FTF-Buchbotschafterin

Sabine und ich liiiiieben Bücher und nun haben wir jemanden gefunden – oder besser sie uns – die Bücher genauso liebt wie wir. Das heißt, wir haben jetzt eine „FTF-Buchbotschafterin“. Manja wird uns und euch hier auf dem Blog in Zukunft regelmäßig mit tollen Buchtipps bereichern. Und sie ist ein echter Profi in Sachen Literatur. Damit ihr sie schon mal ein bisschen besser kennenlernt, habe ich sie für ein Interview getroffen. Was soll ich sagen, einfach nur spannend.

Uli: Liebe Manja, du bist nach über 20 Jahren Fernsehen zurück zu den Büchern. Was ist dadurch Neues in dein Leben gekommen?

Manja: Es ist gar nicht so viel Neues, weil ja ein Großteil meiner Arbeit beim Fernsehen mit Drehbüchern zu tun hatte. Ich habe in der Stoffentwicklung gearbeitet und viel mit Autoren zusammen gesessen. Wir haben versucht, uns möglichst tolle Filmgeschichten auszudenken. Und ich habe die dann als Lektorin oder Dramaturgin begleitet. Nur die letzten Filmjobs waren dann auch Producing, d.h. ich war auch bei der Umsetzung dabei. Ich habe schon immer diesen Geschichten-Schwerpunkt gehabt, wenn man das so als roten Faden nehmen würde. Jetzt, wo ich einerseits neu, andererseits back to the roots – wieder als Buchhändlerin arbeite, habe ich gleich mit den „Endverbrauchern“ zu tun. Ich habe viele direkte Gespräche mit den Leuten, die einen um Rat fragen, welche Bücher ich empfehlen kann. Aber es geht wieder um Geschichten. Neu ist dieses schnelle Feedback. Man ist direkt am Menschen, das hat man beim Film eher zeitversetzt und dann nur über die Quote.

Uli: Bisher hast du dich mit Geschichten auseinandergesetzt.
Was interessiert dich außer Geschichten noch?

Manja: Also eigentlich sind es immer die Menschen, die dahinterstehen. Und das ist bei der Filmdramaturgie, genauso wie beim Roman oder sogar wie bei einem Sachbuch, dass es immer was zu tun hat mit Menschen, die aktiv sind, die agieren, die was machen aus ihrem Leben. Die eine Idee haben oder die auch manchmal keine Idee haben. Die Literatur erzählt ja vielfältigere Geschichten als der Film. Im Film hast du immer diese Heldenreise und die Literatur nimmt sich die Freiheit, Geschichten zu erzählen, wo gar nichts passiert. Da geht es oft nur um das Innere der Protagonisten. Im Film möchte jemand wohin, ihm wird ein Hindernis in den Weg gelegt und die Frage ist, schafft er es, dieses Hindernis zu überwinden. Überwindet er es, hast du ein Happy End, überwindet er es nicht, dann gibt es kein Happy End. Das ist das Dramaturgie-Konzept, nach dem 80 % der erfolgreichen Filme erzählt sind. Und in der Literatur hat man viel mehr Möglichkeiten, was das Thema angeht. Geschichten, wo es nur um Gedanken geht oder wo gar nicht so viel Aktion ist, die sind genauso spannend, weil dann eben die Sprache wichtig ist.

Wie ist deine Frage gewesen? Entschuldige bitte (lacht) ...

Uli: Wir wollten einfach außerhalb deiner Geschichten wissen, was dich noch so interessiert?

Manja: Ja, ich reise gerne, gehe gerne wandern, mache Yoga und schaue mir gerne Ausstellungen an. Im Kino bin ich auch ab und zu.

  

Uli: Sag mir doch mal, welche Bücher du ganz aktuell gerade liest? Können Sachbücher sein, aber natürlich auch Belletristik.​

Manja: Jetzt lese ich gerade was ganz Tolles von der Daniela Krien „Die Liebe im Ernstfall“, dann habe ich Robert Habeck gelesen, der die Novelle „Der Schimmelreiter“ zusammen mit seiner Frau Andrea Paluch weitererzählt hat, „Hauke Haiens Tod“, das hat mir total gut gefallen. Dann ein Sachbuch übers Älterwerden „Eine Frau wird älter“ von Ulrike Draesner. Das würde auch mal super zu euren Wechseljahre-Themen passen. Und jetzt zuletzt ein Buch, das Ende Januar erschienen ist, von einem Finnen, der unbedingt ein Schwede werden möchte. Das gelingt ihm auch, aber zu einem hohen Preis, und am Schluss muss er wieder nach Finnland zurückkehren. „Verrückt nach Schweden“ von Miika Nousiainen. 

Für mich muss Literatur auch immer unterhaltsam sein. Das kann anspruchsvoll, aber auch lustig unterhaltend sein.

Uli: Gibt es Bücher, die dein Leben beeinflusst haben?

Manja: Das ist eine gute Frage. So richtig beeinflusst weiß ich jetzt nicht, aber beeindruckt schon sehr. Ich weiß in meiner Kindheit war das „Momo“, das war wirklich ein wichtiges Buch.

Uli: Mein Lieblingsbuch in der Kindheit war „Die kleine Hexe“ von Ottfried Preußler. Das hatte ich in der Bücherei praktisch als Dauerleihgabe. 

Manja: Ich habe eher Autoren, die mich beeindruckt haben. Zum Beispiel Ian McEwan ist so ein besonderer Autor für mich. Als er in den 80ern startete, habe ich gerade in London gelebt und seine ersten Bücher verschlungen wie „In between the sheets“ und „The comfort of strangers“ – das ist ja auch verfilmt worden. Oder auch Siri Hustvedt, die Ehefrau von Paul Auster. Wenn die etwas Neues herausbringen, da bin ich immer sehr erpicht darauf. Das sind also nicht so einzelne Bücher, sondern es hängt eher wieder an den Menschen dahinter.

Uli: Wie hast du dein Bücherregal sortiert?

Manja: Alphabetisch nach Autoren, aber auch nach Ländern. Wir haben zuhause ein Regal mit englischer Literatur, weil ich in Hamburg in einer englischen Buchhandlung meine Ausbildung gemacht habe. Seitdem lese ich auch ganz viel im englischen Original.

Und auch mein Mann, der das Münchner Literaturhaus gegründet und geleitet hat, hat viele Bücher, und wir haben sie tatsächlich nach Ländern sortiert, sodass man nicht durchs ganze Haus hindurch ein Alphabet hat. Die Russen sind zum Beispiel im Hobbykeller oder die Skandinavier stehen im 1. Stock. So hat jeder seinen Platz.

Uli: Ich habe nämlich neulich überlegt, dass ich meine Bücher jetzt mal nach Farben sortiere. Aber man findet natürlich dann nix mehr. Aber das ist dann natürlich nur noch eine optische Geschichte und sieht hübsch aus. Sicher keine Option für eine Buchfachfrau ;-)

Uli: Wenn du selbst ein Buch schreiben würdest, welches Thema würde dich reizen?

Manja: Das wäre dann ... hmmmmm – ich habe mir da noch nie Gedanken darüber gemacht, weil mir das so überhaupt kein Bedürfnis ist. Aber wenn ich ein Buch schreiben müsste, dann wäre das vielleicht eins mit Kurzgeschichten.

Uli: Wie sähe der Roman deines Lebens aus?

Manja: Das wäre vielleicht so ein Briefroman. Und relativ dick, weil ich ja jetzt schon Mitte 50 bin (lacht). Oh, das ist ja eine schöne Frage ...

Uli: Welchen Schriftsteller/in würdest du gerne kennenlernen?

Manja: Na, ich habe meine Highlights ja schon gehabt. Ich bin tatsächlich – über meinen Mann und das Literaturhaus – Ian McEwan, den ich ja echt verehrt habe, vor einer Lesung im Literaturhaus begegnet. Ich hatte 5 Minuten mit ihm im Büro, und ich habe kaum ein Wort rausgebracht. Ich war so aufgeregt, aber das war so ein Highlight. 

Uli: Du strandest auf einer Insel? Welches Buch hättest du gerne dabei?

Manja: Das müsste ja dann ein ordentlich dickes Buch sein, das man auch immer wieder lesen könnte. Ich würde irgendwas von Virginia Woolf mitnehmen. Weil da braucht man immer ganz viel Zeit und Ruhe, um das zu lesen, und man muss auch ein gewisses Lebensalter haben, um zu verstehen, was sie so meint. Das könnte ich da also so ganz in Ruhe studieren.

Uli: Wie vielen Seiten gibst du einem Buch eine Chance, bevor du es weglegst?

Manja: Früher habe ich das immer durchgelesen. Aber inzwischen ist mir da auch meine Lebenszeit zu schade. Wenn es nach 50 Seiten nicht gefunkt hat, dann lege ich es weg.

Uli: Was war dein belanglosestes Buch, und hast du es fertiggelesen?

Manja: Hmmmm.... das ist schon länger her, weil ich jetzt einfach schon vorher abbreche. Aber vielleicht die Bücher von Carmen Korn. Sie ist Hamburger Autorin, die aus dem Journalismus kommt. Sie hat eine Trilogie geschrieben, und das erste Buch „Töchter einer neuen Zeit“ war super, das zweite „Zeiten des Aufbruchs“ ganz ok, aber da habe ich mich schon durchgequält und das dritte „Zeitenwende“ ging dann gar nicht mehr. Das war zu schematisch mit zu vielen Personen. Aber alle Titel sind Bestseller. 

Uli: Welches Buch würdest du gerne verfilmen oder verfilmt sehen? Und mit wem?

Manja: Das ist ja mit Verfilmungen eher schwierig. Man ist ganz oft enttäuscht, weil bei der Übersetzung in die Filmsprache immer Sachen weggelassen werden müssen. Wenn man ein Buch gelesen hat, hat man ja seinen eigenen Film im Kopf. Als damals in den 80ern „Das Parfum“ erschienen ist, hatte ich das Gefühl, endlich ein Buch, das nicht verfilmt werden kann, weil es ja nur um Gerüche geht, und dementsprechend enttäuscht war ich dann auch von der Verfilmung.

Aber welche Verfilmung mir supergut gefallen hat, war „The great Gatsby“, diese zweite Verfilmung von Baz Luhrmann mit Leonardo DiCaprio. Diese Traurigkeit mit der wummernden Musik, das war noch mal sehr modern erzählt, und das war dann auch tatsächlich noch mal ein wirklicher Gewinn.

Es gibt einfach Geschichten, die gehören in ein Buch, und es gibt Geschichten, für die ist dieses Gesamterlebnis eines Films in einem tollen Kino das Beste.

Uli: Sabine und ich haben ja einen Lieblingsanfangssatz in einem Buch und zwar aus „Das Geisterhaus“ von Isabella Allende. Was ist denn dein Lieblingsanfangssatz eines Buches?

Manja: Hmmmm, da habe ich nicht wirklich einen Lieblingssatz.

Uli: Magst du Gedichte? Wenn ja, welche?

Manja: Das ist auch so eine überraschende Sache mit zunehmendem Alter, dass ich Gedichte gerne mag. Ich habe einen Reclam-Jahreslauf mit Gedichten auf meinem Nachttisch liegen. Da lese ich ab und zu zum Einschlafen mal ein Gedicht. Und es ist sehr schön, was ich da so entdecke. Zum Beispiel Theodor Storm hat total inspirierende Naturgedichte geschrieben. Ich bin ja so eine Nordpflanze vom Meer. Ich bedaure es sehr, dass ich nicht mehr so schnell Sachen auswendig behalte, denn dann würde ich Gedichte auswendig lernen.

Uli: Dein Top-Unwort für das Jahr 2019?

Manja: Zeitgleich (lachen beide)

Uli: Du bist jetzt FTF-Buchbotschafterin. Auf was freust du dich am meisten?

Manja: Es reizt mich sehr, all die Ideen, die ich in meinem Buchhändlerinnen-Alltag habe, auf zwei oder drei Titelvorschläge jeden Monat – passend zu euren Monatsthemen – zu reduzieren. Und ich freue mich auf hoffentlich ganz viel Feedback von den Leserinnen.

 

Uli: Wir freuen uns auf alle Fälle sehr, dass wir dich als Buchbotschafterin gewinnen konnten, und wir freuen uns auf all die tollen Vorschläge, die wir von dir bekommen werden. Vielen Dank für dieses inspirierende Interview, liebe Manja.

Unsere FTF-Buchbotschafterin Manja wird uns im April mit den ersten Buchvorschlägen beglücken. Darauf freuen wir uns schon unbändig und ihr hoffentlich auch. Falls ihr spezielle Buchtipps braucht oder sonst Fragen zu Büchern habt, dann schreibt uns bitte.

 

Kommentare

Dorothea Märker
20•03•2019
Ich würde gerne eurem Blog folgen! Liebe Grüße aus Düsseldorf Doro Märker
FTF, Uli Heppel
21•03•2019
Liebe Doro, das freut uns natürlich sehr. Du kannst unseren Blog ganz leicht folgen, indem du oben rechts in der Ecke (neben den Logos) auf "Blog abonnieren" klickst. Dann musst du nur noch deine E-Mail-Adresse angeben und bekommst in Zukunft immer einen Mail, wenn wir einen neuen Blogpost online stellen. So verpasst du nichts. Hab einen schönen Tag. ♡Uli
Susanne aus dem...
29•03•2019
Ich bin begeistert von Manjas positiver und motivierender Grundstimmung Bücher leicht und ernst zu nehmen - das lädt einfach ein, sich auf Text (lang oder kurz), Inhalt (happy or unhappy...) und Form (Buch oder Film...) einzulassen. Ich freue mich auf weitere Empfehlungen, danke!
FTF, Uli Heppel
29•03•2019
Liebe Susanne aus dem ..., mir geht es mit Manja ganz genauso. Sie hat so eine tolle Art, für Bücher zu begeistern und sie hat so klasse Tipps (ich konnte ja schon in ein paar reinhören ;-) Da kannst du dich wirklich auf tolle Anregungen freuen. ♡Uli
Marion Gaedicke
12•04•2019
Sehr gern würde ich die erste Rezension lesen...
FTF, Uli Heppel
12•04•2019
Liebe Marion, die ersten Tipps sind schon online und du kannst da tolle Bücher entdecken. Viel Spaß dabei. ♡Uli

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