07•06•2019 ••

Die Buchbotschafterin-Die Juni Buchtipps #3

Das Juni-Motto „Lache – und feiere das Leben!“ ist super, denn es passt perfekt zu einem meiner liebsten Autoren der Gegenwart, den wahrscheinlich einige von euch auch schon kennen und gelesen haben.

Hier also meine Juni-Buchtipps:

Diesmal schlage ich euch gleich alle Bücher eines Autors vor, alle sind bei KiWi erschienen.
Joachim Meyerhoff  hat seine Roman-Biografie in bisher vier Teilen veröffentlicht, die allesamt (fast) ebenso lustig wie herzzerreißend und lebensfreudig sind. Wer ihn noch nicht kennen sollte: Der mehrfach ausgezeichnete Schauspieler hat Engagements am Burgtheater in Wien und am Schauspielhaus Hamburg, und zuerst waren seine Erinnerungen Bühnenprogramme, bevor er sie in Buchform brachte.

Er startete 2011 mit „Alle Toten fliegen hoch - Amerika“

und beschreibt sein Auslandsjahr im tiefsten mittleren Westen der USA. Was der 16-jährige Joachim dort erlebt, gehört zu den lustigsten Höhepunkten meines bisherigen Lese-Lebens. Aber der plötzliche Unfalltod seines ältesten Bruders zuhause und was dies mit ihm und seiner Familie macht, bleibt auch in den folgenden Romanen ein durchlaufendes Thema. Überhaupt ist Joachim Meyerhoff ein sehr aufmerksamer Beobachter selbst kleinster Details und immer ein liebevoller Chronist, häufig in Verwunderung über das Verhalten seiner selbst und seiner Mitmenschen.

 

Im nächsten Roman „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“

nimmt Meyerhoff uns zunächst mit in seine Kindheit in Schleswig Ende der 1960er-/Anfang der 1970er-Jahre (wo ich auch zufälligerweise aufgewachsen bin). Sein Vater leitete dort die geschlossene Jugendpsychiatrie, und Joachim lebte zusammen mit den Eltern und seinen beiden größeren Brüdern auf dem Anstaltsgelände. Aber Meyerhoff thematisiert auch in diesem Vater-Sohn-Roman, wie er als Jugendlicher mit seinem geliebten, aber schwierigen Vater ringt und ihn schließlich in einen viel zu frühen Krebstod begleiten muss.

 

Seine verzweifelt komischen Jahre in München an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule stehen im Mittelpunkt des 3. Teils
„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“,

und ich kenne außer mir noch einige Leute, die beim Lesen laut losprusten mussten. Hier erfahren wir nicht nur Details über ziemlich absurde Vorgänge in seiner Schauspielklasse, sondern auch über das fantastisch elegante Nymphenburger Zuhause der Großeltern, die ihn bei sich aufnehmen, aber auch in ihre recht alkohol-intensiven Tagesrituale einbinden.

 

Der vierte Roman „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“

kommt nach meinem Geschmack nicht mehr ganz so auf die lustigen Höhen der vorherigen Bücher, aber ich will ihn euch nicht vorenthalten. Sobald man Meyerhoff-Fan ist, will man sowieso weiterlesen. Hier bekommen wir sein anstrengendes Liebesleben während seiner beginnenden Schauspielkarriere in der Provinz präsentiert, immer mit dem Wissen, dass dieser sich mit Selbstzweifeln quälende junge Kerl eines Tages einer der besten deutschen Schauspieler werden wird. 


Ich wünsche euch also viele amüsante Momente mit diesem Ausnahmeautor, der trotz aller melancholischen Herausforderungen sein Leben in ganz besonderer Weise immer wieder feiert.


Mein 2. Juni-Buchtipp:

„Yoga while you wait“ von Judith Stoletzky, Becker Joest Verlag

 

Yoga und Humor? Ja, das geht unbedingt (ich weiß das seit dem leider vergriffenen „Schlampenyoga“ von Milena Moser)! Dieser Titel hier ist eine wunderbar kurzweilige Yoga-Anleitung, die mich zum Lachen gebracht hat. Sie soll das Warten, was ja quasi das Gegenteil von „Leben-Feiern“ ist, verschönern.

In ganz unscheinbaren Situationen des Alltags, empfiehlt die Autorin Judith Stoletzky mit trockenem Humor, der sich durch all ihre Texte zieht, sollen wir einfach Yoga praktizieren, denn „ab jetzt wird sinnvoll gewartet“.

Auch Yoga-Neulinge werden in kurzen, aber genauen Beschreibungen an die Übungen herangeführt, und sehr fürsorglich wird darauf hingewiesen, wann gewisse Asanas nicht gut für den Körper sind. Der Rest erschließt sich aus den Fotos.

So gibt es z. B. die Warte-Situation im öffentlichen Nahverkehr. „Der Stuhl“ hilft hier die Zeit zu überbrücken und vielleicht sogar erst den übernächsten Bus zu nehmen, weil es so schön ist.

 

Oder der „Adler“, besonders gut einzubauen in die Warteschlange vor einer Frauentoilette. Dass diese Asana tatsächlich plötzlich so aussieht, als würde frau sich ihre volle Blase verkneifen, war für mich ein ganz neuer Aspekt dieser Haltung, die eigentlich Freiheit und Schwerelosigkeit spürbar machen soll. „Bieten Sie Blase und Schließmuskel die Stirn … und Sie werden sehen, die Zeit vergeht wie im Flug.“

Schaut euch also die Fotos von Markus Abele an und traut euch zum Beispiel mal beim Warten im Waschsalon einen Schulterstand der schönsten Art auszuprobieren. Uli und Sabine haben es schon einmal versucht.


„Alles, was man braucht, ist ganz normaler Alltag und ein wenig schlechtes Timing.“ Das haben wir doch alle, oder?


 

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