25•07•2020 ••

Die Buchstaplerin #1

Kurz vor unserer Sommerpause und für die wirklich wichtigen Lesetipps für den Urlaub wollen wir euch unsere neue Buchfrau „Die Buchstaplerin“ präsentieren. Corinne lebt im schönen Schwarzwald und hat uns gefragt, ob sie nicht unsere Buch-Kolumne weiterführen kann. 

Ja klaaaaar!!! Sabine und ich waren sofort begeistert. Wir sind nämlich totale Leseratten und waren sehr traurig, als Manja, unsere „Buchbotschafterin“, ihre Kolumne eingestellt hat. 

Damit ihr Corinne auch ein bisschen besser kennenlernt, haben wir ein kleines Interview mit ihr geführt. Und dann gibt es natürlich auch ganz tolle Buch-Tipps für den Sommer. Und wie soll es gerade anders sein, es dreht sich alles um das kühle Nass.


Die Buchstaplerin


FTF: Du bist eine Buchfrau. Woher kommt diese Leidenschaft?

Corinne: Diese Leidenschaft hatte ich schon immer. Ich habe schon als Kind gerne gelesen. Ich habe früher wohl ganz schlecht gegessen und damit ich überhaupt etwas esse, hat meine Mutter mir dabei vorgelesen.

Ich habe mit Pippi Langstrumpf angefangen und über andere Autoren wie Michael Ende habe ich meine Leidenschaft zum Lesen weiter vertieft. Ich fand das Lesen schon immer toll und faszinierend und so ist es dann auch zu meinem Beruf geworden.

FTF: Wie lange bist du denn schon Buchhändlerin?

Corinne: Ich habe 1989 meine Lehre beendet, dann habe ich ein paar Jahre studiert. Aber sicher schon um die 25 Jahre.

FTF: Wie bist du auf Fuck the Falten gestoßen und was bewegt dich, für uns eine Buchkolumne zu schreiben?

Corinne: Ich weiß nicht mehr so ganz genau, wie ich auf euch gestoßen bin, aber ich schätze über Instagram. Ich fand eure Sprüche immer so klasse und habe dann auf eurem Blog geschaut, wer da dahintersteckt. Und dann hat mich das altermäßig angesprochen. Die damit verbundenen Themen fand ich sehr spannend und natürlich auch die Kolumne mit der Buchbotschafterin. Und als Manja Wittmann dann im Juni gesagt hat, dass sie aufhört, und ihr „das Danke“ für sie geschrieben habt, dachte ich, sehr schade, aber vielleicht wäre das ja eine Chance für mich. (lacht) Ich dachte, ich schreibe euch einfach mal und schaue, was passiert.

FTF: Und wir haben die Chance gleich ergriffen.


Also, eines meiner Lieblingsbücher ist „Hundert Jahre Einsamkeit“.


FTF: Gibt es ein Buch, das du als dein Lieblingsbuch bezeichnen würdest? Oder auch zwei oder drei?

Corinne: Also, eines meiner Lieblingsbücher ist „Hundert Jahre Einsamkeit“, mittlerweile ein Klassiker, und auch „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“. Das sind beides so Lieblingsbücher von mir. Auch ein wichtiges Buch für mich ist „Homo Faber“ von Max Frisch. Damit habe ich in der Schulzeit den Einstieg in die Literatur gefunden. Das ist ein Buch, das ich interessanterweise immer wieder mal gelesen habe und in jedem Lebensabschnitt gibt einem diese Geschichte etwas anderes. Das spricht sehr für dieses Buch. Man hat das Augenmerk immer wieder auf andere Passagen als im Alter von 20 oder 30.

FTF: Welche Bücher sollte man deiner Meinung nach unbedingt gelesen haben?

Corinne: Ich finde, es gibt kein Buch, das wirklich für jeden ist. Das hängt vom Leser und auch vom Lesergeschmack ab. Ein Buch, das „man“ gelesen haben muss, gibt es für mich nicht. Oft passt es einfach nicht. „100 Jahre Einsamkeit“ empfinden manche bestimmt als schwülstigen Schmarrn aus Südamerika. Ich zum Beispiel habe meine Schwierigkeiten mit Hermann Hesse.

Ich finde, dass es für jeden Leser das richtige Buch gibt, und es ist einfach der Job der Buchhändlerin, rauszufinden, was für den jeweiligen Kunden passt.

FTF: Und das ist vielleicht auch der Job der Buchstaplerin, herauszufinden, was die richtigen Bücher für unsere Leserinnen sind …

 

FTF: Liest du lieber Romane oder Sachbücher?

Corinne: Romane!!! Ich lese tatsächlich wenige Sachbücher. Klar, wenn ich ein Thema habe, das mich interessiert, dann schaue ich schon, aber meine Leidenschaft sind schon die Romane, aber auch mal ein guter Krimi. Das war auch in meinem Job immer mein Spezialgebiet.

 

FTF: Wenn du ein Buch nicht magst, liest du es trotzdem fertig?

Corinne: Ich gebe einem Buch so 50 bis 100 Seiten eine Chance - und ich merke ja relativ schnell, ob es schlecht geschrieben ist oder ob es mich im Augenblick gar nicht berührt. Dann lege ich es weg. Es gibt Bücher, die hole ich dann später mal wieder raus, denn oft ist man gerade nicht in der richtigen Verfassung für ein bestimmtes Buch. Aber es gibt auch Bücher, die gebe ich sofort wieder weg.

 

FTF: Weil du gerade deine Lesezeit angesprochen hast. Wie viel liest du denn so in der Woche?

Corinne: Ich denke, eine Stunde pro Tag auf jeden Fall, am Wochenende können es auch mal zwei Stunden pro Tag werden. Ich kann am Abend auch nicht einschlafen, ohne dass ich noch eine halbe Stunde gelesen habe. Ich finde, Lesen ist auch ein gutes Einschlafmittel. Gerade wenn man Probleme hat, weil dann der Kopf einem wieder auf ein anderes Thema lenkt.

 

FTF: Liest du denn Bücher überhaupt lieber digital oder nur analog?

Corinne: Sowohl als auch. Im Urlaub finde ich digital genial, aber generell lese ich lieber reale Bücher. Weil ich mir den Titel, den Autor und das Cover viel besser einprägen kann. Das fehlt mir beim E-Book, da kann ich mich oft nicht erinnern. Aber im Urlaub finde ich es richtig toll. Da kann ich Berge von Büchern mitnehmen, es ist nicht schwer und ich kann immer wieder aussuchen, was ich gerade lesen will. 

 

FTF: Wie stehst du zu gelesenen Büchern? Aufheben oder Platz für neue Geschichten machen? Und wenn du sie weggibst, wohin verschwinden deine Bücher?

Corinne: Ich bewahre immer meine absoluten Lieblinge pro Frühjahrs- und Herbstprogramm auf. Die zwei oder drei allerschönsten Bücher landen in meinem Regal. Die anderen gebe ich entweder Freundinnen oder ich spende sie an öffentliche Bücherschränke. Und da finde ich es auch wichtig, dass da nicht nur die völlig alten Bücher landen, denn es soll ja auch eine Art Austausch sein. Eine gewisse Aktualität ist da schon schön.

 

FTF: Würdest du gerne selber ein Buch schreiben? Welchen Titel hätte es? 

Corinne: (lacht) Bis jetzt habe ich noch gar nicht das Bedürfnis danach. Aber wenn mir mal die Superidee kommt, dann schreibe ich vielleicht wirklich mal ein Buch.

 

FTF: Gibt es ein Buch, das du uns für diese besonderen Zeiten gerade jetzt empfehlen würdest?

Corinne: Ja, das ist „Der Wal und das Ende der Welt“. Ich finde, man hat den Eindruck, dass John Ironmonger, der das Buch ja schon vor einigen Jahren geschrieben hat, genau unsere jetzige Situation beschreibt. Wie in diesem Dorf damit umgegangen wird, das hat mich sehr beeindruckt und berührt.

 

FTF: Vielen Dank für dieses schöne Interview. Hast du noch etwas, was du unseren Leserinnen mitteilen möchtest?

Corinne: Natürlich freue ich mich total, dass ich für euch diese Kolumne schreiben darf, aber mir ist auch wichtig, dass die Leserinnen mir sagen, was ihnen gefällt oder auch, wenn sie Wünsche zu einem bestimmten Thema haben. Ich gebe sehr gerne auch Geschenke-Tipps oder einen Tipp für einen besonderen Schmöker für den Urlaub. Das würde mir sehr viel Freude machen, wenn hier ein Dialog entstehen würde. Ihr findet mich auch direkt bei Instagram unter @buchstaplerei.


Die Sommer-Lesetipps der Buchstaplerin:


Die Sommerferien stehen vor der Tür und ich habe Meerweh: diese schwer zu stillende Sehnsucht nach dem regelmäßigen Rauschen der Wellen, der Verlässlichkeit von Ebbe und Flut, dem Salzduft in der Nase und dem Sand zwischen den Zehen. Doch dieses Jahr ist alles anders. Und trotzdem haben wir das große Glück, uns mit passenden Büchern wegträumen zu können.

Agnes Krup hat mich schon mit ihrem Debüt „Vor der Flut“ begeistert, mit ihrem neuen Roman „Sommergäste“ entführt sie ihre Leserinnen in die malerische Kulisse der kanadischen Atlantikküste.

Im Sommer 1925 reisen Ellen und ihre Partnerin Charlotte auf die Atlantikinsel Rockcliff Isle, damit Charlotte im gemeinsamen Sommer-Cottage in aller Ruhe ihren Roman  schreiben kann - die jüngere Ellen soll ihr dabei den Rücken freihalten. Schon bei der Ankunft lernen sie Crawford Maker kennen, einen einheimischen Ornithologen, der für Museen Vögel präpariert.

Ellen, die in ihrem früheren Leben als Bildhauerin recht erfolgreich war, ist fasziniert von dem Handwerk und besucht Crawford immer wieder in seiner Werkstatt. Dabei findet sie zu ihrer eigenen Kreativität zurück, ihrer Freude am Gestalten und spürt, was sie alles für Charlotte aufgegeben hat.

Crawford sieht ihr großes Talent, unterstützt ihre Ideen, sucht immer mehr ihre Nähe und lädt Ellen ein, ihn auf eine ornithologische Expedition nach Belgisch-Kongo zu begleiten. Zu dritt brechen sie nach Afrika auf: eine Reise, auf der alle drei mit großen Aufgaben und Entscheidungen konfrontiert werden ...

Agnes Krup hat mit Ellen, Charlotte und Crawford drei vielschichtige, starke Charaktere auf Augenhöhe geschaffen, die sich durch eine einfühlsam erzählte Dreiecksgeschichte entwickeln und verändern.

Sie erzählt leise und ruhig, aber eindringlich und kraftvoll, und erschafft dabei innere und äußere Landschaften, in die ich sofort eintauchen konnte. Große Themen wie eigene Identität und Selbstfindung, Loyalität und Verantwortung, Beziehung und Liebe geben Raum für eigene Assoziationen und Gedanken.

Ein leichter Sommerroman mit Tiefgang!


Wer eine Perle im riesigen Lese-Ozean finden möchte, wird bei „Das Meerbuch“ in der wunderbaren Insel-Bücherei fündig.

Die Insel-Bücherei mit ihren bibliophilen Ausgaben hat mich schon so manche Entdeckung machen lassen und auch das „Meerbuch“ ist für mich etwas ganz besonderes.

Zum einen verzaubern die sehnsuchtsvollen, in Blautönen gehaltenen Illustrationen von Quint Buchholz, zum anderen erzählen die 22 Autoren, die Matthias Reiner hier versammelt hat, in Form von Geschichten und Gedichten von ihren Begegnungen mit dem Meer.

Christian Morgenstern widmet den Möwen ein federleichtes Gedicht, Thomas Mann erzählt von Tony Buddenbrooks Sommerwochen an der Ostsee und Axel Hacke beschreibt urkomisch die Tücken einer langen Autofahrt mit der ganzen Familie ans Mittelmeer. So unterschiedlich die Autoren mit ihren Beiträgen scheinen mögen, sie alle verbindet die Sehnsucht nach dem Meer.

Ob als Geschenk an sich selbst oder an liebe Mitmenschen:

Ein maritimes Büchlein, das uns zumindest vom Meer träumen lässt!


Und wer nicht nur von erfrischenden Fluten träumen möchte, dem kann ich „Wildswimming Deutschland“ empfehlen:

Hansjörg Ransmayr hat 113 „wilde“ Badestellen in ganz Deutschland für Menschen wie mich gesammelt, die einen See jederzeit dem örtlichen Freibad vorziehen. Beeindruckende Wasserfälle, idyllische Weiher, abgelegene Badeplätze an Seen, kühlende Bergbäche oder einsame Strandabschnitte am Meer – ein Wildswimming-Spot befindet sich bestimmt auch in eurer Nähe!

Wo auch immer ihr euren diesjährigen Sommer verbringen werdet, genießt die Zeit mit einem guten Buch!


Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen. Francis Bacon


Eure Buchstaplerin

Kommentare

Heike Koehler
26•07•2020
Dankeschön! Welch toller Einstand:-) Ich freue mich auf weitere Buchträumereien... - stapeleien! Einen traumhaften Sommer wünsche ich.
FTF, Sabine Fuchs
26•07•2020
Gell, liebe Heike, wir freuen uns auch! LG Sabine und Uli
Friederike
27•07•2020
Wie schön, die Buchstaplerin hier zu finden! Ich freue mich schon auf die vielen tollen Buchvorstellungen....
FTF, Sabine Fuchs
27•07•2020
Liebe Friederike, wir sind auch froh, dass Corinne uns gefunden hat. :) Liebe Grüße von Sabine und Uli
Annette
16•08•2020
Freu mich sehr über und auf deine Buchtipps! Super, dass du das hier fortführen kannst.
Uli Reimann
18•08•2020
Vielen Dank für den schönen Beitrag und das erste Interview mit Corinne. Ich freue mich auf viele Buchtipps von Dir.

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