13•01•2022 ••

Zum Teufel mit den guten Vorsätzen

Dieses Jahr wird alles besser, denn große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus! Das sagt zumindest mein Horoskop. Heißt das denn jetzt, dass ich mir gar keine guten Vorsätze überlegen muss, weil sowieso ja schon alles vorbestimmt ist? 

Nun bin ich sowieso nicht der Typ, der das neue Jahr mit einer Liste von guten Vorsätzen beginnt. Wozu auch? Wissen wir doch alle, dass sich der überflüssige Januar – mit seinen guten Vorsätzen – spätestens im Februar selbst überholt hat. Und doch, um Heinrich Hesse zu zitieren: Und wohnt jedem Anfang ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Also vielleicht gleich doch das Leben mal umkrempeln? Ich denke zumindest kurz darüber nach, wenigstens den schlechten Angewohnheiten die Stirn zu bieten. Mehr Sport, mindestens dreimal die Woche. Mehr Fahrrad und das Auto noch mehr stehen lassen. Mehr Treppensteigen und den Aufzug ignorieren. Mehr schrumpelige Äpfel und weniger Alkohol. Das ist doch schon mal eine ganz ansehnliche und vielversprechende Liste.


Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Engl. Sprichwort


Die ersten Tage im neuen Jahr haben eben etwas von Aufbruch in eine neue und bessere Zeit. Vorsätze sind vielleicht aber auch nur der klägliche Versuch, wieder Kontrolle über das Leben zu bekommen. Denn zweifelsohne ist uns diese Kontrolle in den letzten Monaten abhanden gekommen. 

Hätten wir im Augenblick nicht sogar die sonst so lästige Marathonbesuchsrunde zwischen den Jahren bei den Verwandten gerne auf uns genommen, wenn nur alles wieder so wäre, wie vor der Pandemie? Die letzten 21 Monate haben uns mürbe gemacht und so langsam sprudelt auch die Phantasie für gute Vorsätze nicht mehr gerade über.


Ich brauche keine guten Vorsätze. Die alten sind praktisch noch unangetastet.


Wieso gute Vorsätze?

Und wieso denn überhaupt gute Vorsätze? Das Wörtchen „gut“ impliziert uns doch schon, dass das bisherige schlecht war und wir die „guten Vorsätze“ vom letzten Jahr wahrscheinlich (wieder) nicht umgesetzt haben. Meist geht es bei den guten Vorsätzen um die Fragen der Selbstoptimierung. Fast immer wollen wir mehr dahin kommen, wo wir eigentlich idealerweise sein möchten. 

Abnehmen, Ernährungsumstellung, Sport. Und dafür nun diesen konkreten Stichtag für einen Neuanfang. Ein Reset. Alles wieder auf Anfang. Diesmal natürlich nach allen Regeln der Kunst und durchoptimiert? Das Problem ist nur: Das Material ist leider das alte und der Wunsch nach Veränderung ist mehr dem Zeitpunkt geschuldet als dem inneren Bedürfnis.

Dass dieses Vorhaben meist zum Scheitern verurteilt ist, liegt daran, dass die Ziele, die wir uns stecken, in der Regel unrealistisch sind und nicht gerade vor Originalität strotzen. Stressabbau liegt dabei ganz vorne im Rennen.

Unsere Ziele, damit sie auch erreichbar sind, sollten nämlich möglichst nur ein kleines Stück über dem sein, was wir im Augenblick sowieso schon machen. Stecke ich mir meine Ziele zu hoch, werde ich sie nicht einhalten können, weil ich sie so nicht in meinen Alltag integriert bekomme. Wer kann schon fünfmal pro Woche ins Fitnessstudio rennen? 

Aber natürlich sollten sie uns dennoch auch nicht unterfordern. Dann wären es ja keine Ziele ;-)


365 neue Tage. 365 neue Chancen. 365 neue Möglichkeiten!


Gute Vorsätze zum Jahreswechsel

Was konkret heißt das jetzt für die guten Vorsätze zum Jahreswechsel? Man kann sie sich vornehmen, man kann es aber auch lassen. Unser Leben wird dadurch nicht besser oder schlechter. Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, dann sollten wir das tun – jederzeit und nicht nur weil ein neues Jahr beginnt! Nicht lange überlegen, planen und grübeln, sondern einfach machen! Es könnte ja gut werden.

Ich warte jetzt mal auf den April, bevor ich mir überhaupt irgendwas vornehme. Denn da tritt, laut meinem Horoskop, Jupiter in mein Sternzeichen ein und Neptun und überhaupt ...

... zur Hölle mit den guten Vorsätzen!


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