11•03•2019 ••

Going Grey Teil 2

Gleich zum Start unseres Blogs habe ich einen Artikel zu diesem Thema verfasst: “Should I Grey or should I not?“ Damals war ich mir einfach nicht sicher, ob ich diesen Schritt gehen will. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen und ein einschneidendes Krankheitserlebnis hat mein Leben verändert. Und somit auch mein Selbstverständnis über das, was mein Leben anbelangt. 

Auch die grauen Haare, die ich damals eher als neuen Trend gesehen habe, sind inzwischen für mich kein Trend mehr, sondern eher ein Teil meines Selbst. Ein Teil, der zum gelebten Leben dazugehört. 

Nur dass mich hier keiner falsch versteht: Dieser Artikel soll nicht dazu aufrufen, nicht mehr zu färben. Ich finde bei vielen Frauen gefärbte Haare wahnsinnig klasse, auch bei Uli, die allerdings immer noch sehr wenig graue Haare hat (ihr Vater war bis 70 dunkel), finde ich die dunklen Haare toll. Aber ich habe im vergangenen Jahr gespürt, dass es für mich nicht mehr passt, meine Haare zu färben.


Es kam mir vor, als würde ich einen Teil meines Selbst verstecken. Ein Teil meines Alters. 


Gesellschaftlich werden graue Haare, auch wenn sie in den USA wirklich zu einem Trend geworden sind, bei uns in Westeuropa immer noch gerne mit dem Stempel „alternativ“ versehen. Aber “slightly greeny“ ist es in Amerika eben nicht mehr. Und auch ich habe keineswegs vor, mich nicht mehr zu schminken, und ich bin nach wie vor durchaus eitel. Wer sagt eigentlich, dass nicht-mehr-färben so viel bedeutet wie: „Jetzt habe ich meiner Weiblichkeit abgeschworen?“ Nein, ich fühle mich nur einfach echter, seitdem ich nicht mehr färbe. Eine Spur mehr Sabine. Eben Sabine mit 50 plus.

Transition, also Übergang oder Umbruch, so nennt sich auf Englisch das Rauswachsen der Haarfarbe. Und genau das ist für mich diese Zeit. Ich befinde mich im Umbruch. Ich bin nicht mehr jung, aber ich bin auch noch nicht alt. Und genau das spiegeln meine Haare jetzt wider. Ich kann endlich so sein, wie ich will. Ich will mich nicht mehr gesellschaftlichen Konventionen unterwerfen. Der Satz „Graue Haare machen älter“ mag ja richtig sein. Für mich ist genau das aber auch stimmig, denn ich bin ja nun mal älter.  All die Energie, die ich zwischen 40 und 50 in mein vermeintlich jüngeres Aussehen gesteckt habe, habe ich jetzt für mich. Für neues Lernen, auch viel über mich. Ich schaue nach innen und halte es mit Sokrates:


„Der Schlüssel zum Wandel liegt darin, all seine Energie zu fokussieren, nicht das Alte zu bekämpfen, sondern daran, etwas Neues zu erschaffen.“


Grau ist für mich nicht nur eine Farbe, sondern es ist ein Ausdruck meiner Haltung. Grau werden hat mich frei gemacht, frei von dem, was andere Menschen sagen, andere Menschen von mir erwarten. Frei gemacht, nach zwei (!!) Wochen wieder den Ansatz oder mein Altwerden mit Haarfarbe zu überdecken. Damit ich als Frau niemanden mit meinem Alter belästige.

Seit ich meine Haare nicht mehr färbe, widersetze ich mich gewissen Erwartungen, die die Gesellschaft an Frauen stellt. Das stößt nicht immer auf Gegenliebe. Deswegen ist das jetzt die perfekte Zeit, sich klar zu werden, dass ICH mich eben genauso lieben sollte, wie ich jetzt bin. Mit grauen Haaren und Falten.


Solange man kein Grau gemalt hat, ist man kein wirklicher Maler ...


... meinte Paul Cézanne. Es gibt ja bestimmte Ratschläge, was man tragen und wie man sich schminken sollte mit grauen Haaren. Mir ist das egal – ich trage das, was mir gefällt. Und ich schminke mich, wie ich mir gefalle. Ich habe einfach keine Lust mehr, irgendwelche Regeln zu befolgen. Wozu ich Lust habe, ist, mein Leben zu genießen. Und da sind jetzt meine Haare mit ihren 100 verschiedenen Farben der beste Ausdruck. Denn das Leben geht weiter, und manchmal gehe ich jetzt lieber zu weit als früher. Und das geht für mich eben wunderbar mit grauen Haaren und auch mit Falten. Denn „I just give a fuck“ auf alles, was die Gesellschaft von mir erwartet.


Und ich kann mich als Frau durchaus noch als Frau fühlen, auch wenn ich graue Haare habe.


Es gibt auf Instagram den Hashtag #grombre. Darunter findet man teilweise wirklich krasse Bilder. Oben schon ganz hell und unten noch dunkel. Das wollte ich wirklich vermeiden, irgendwie bin ich dazu dann doch zu eitel. Gott sei Dank habe ich einen Friseur, der diese „Transition“ mit mir gemacht hat. Eine Zeitlang habe ich noch mit Naturhaarfarbe meinen Ansatz gefärbt. Diese Farbe hat den Vorteil, dass sie sich rauswäscht und nicht rauswächst. Allerdings wurde das Braun bei mir irgendwann orange … Mein Friseur hat dann mit Strähnchen nachgeholfen. Meinen Ansatz zuletzt gefärbt habe ich letztes Jahr im März. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich die blödeste Zeit überstanden habe. Allerdings hängt meine Wahrnehmung des Ansatzes auch stark vom Licht ab. Und meine Haare unter dem Deckhaar sind um einiges heller. So habe ich jetzt, wenn ich meine Haare hochbinde, fast komplett graue Haare. Wenn ich sie offen trage, ist meine neue Haarfarbe #grombre. Auf Pinterest haben wir einen ganzen Ordner angelegt mit Frauen, deren Haarfarbe grombre ist. Schaut doch mal vorbei, wie bunt Altwerden sein kann.

Und sollte ich irgendwann mal wieder Lust haben, meine Haare zu färben, dann werde ich das tun.


Denn es gibt ja viele Farben und das Leben ist doch herrlich bunt :) …


 

Kommentare

Christina
11•03•2019
Ich mag Deinen Bericht „Going Grey Teil 2“ sehr gerne! Grau ist das neue Blond der jung gebliebenen!
FTF, Sabine Fuchs
11•03•2019
Liebe Christina, wenn du meinen Teil 1 gelesen hast, dann ist es mir ja jetzt geglückt. Ich bin so ne Art Blond ;). Liebe Grüße
Christina
11•03•2019
Ich mag Deinen Bericht „Going Grey Teil 2“ sehr gerne! Grau ist das neue Blond der jung gebliebenen!
Claudia Wachsmann
11•03•2019
Ganz tolle Fotos von Euch beiden, so voller Freude. Ich finde die grauen Haare schön, auch wenn Du tatsächlich etwas älter damit wirkst. Ja, das färben oder tönen ist wirliche in Thema! Und ätzend auch diese viele Chemie!!! Das landet alles im Abwasser und Farbe schaut ja auch nicht immer toll aus. Besonders schlimm finde ich so ein blaustichiges Schwarz bei älteren Frauen, ja so halt in unserem Alter. Ich denke auch oft darüber nach, stresse mich aber nicht und irgendwann ist der Moment dann eben da ...
FTF, Sabine Fuchs
12•03•2019
Genau so war es bei mir liebe Claudia. Irgendwann war der Moment da. Aber wie ja schon geschrieben, ich mache kein Dogma draus, wenn mich das Grau nervt, dann färbe ich eben wieder. Aber im Moment geniesse ich, dass ich nicht mehr kritisch jeden Morgen nach meinem Ansatz Ausschau halten muss. LG Sabine
Claudia Wachsmann
11•03•2019
Ganz tolle Fotos von Euch beiden, so voller Freude. Ich finde die grauen Haare schön, auch wenn Du tatsächlich etwas älter damit wirkst. Ja, das färben oder tönen ist wirliche in Thema! Und ätzend auch diese viele Chemie!!! Das landet alles im Abwasser und Farbe schaut ja auch nicht immer toll aus. Besonders schlimm finde ich so ein blaustichiges Schwarz bei älteren Frauen, ja so halt in unserem Alter. Ich denke auch oft darüber nach, stresse mich aber nicht und irgendwann ist der Moment dann eben da ...
Gordana Harer
12•03•2019
Vielen ❤️Dank für den Beitrag. Mir ist gerade klar geworden, mit was ich im Unterbewusstsein kämpfe. Ich bin auch ganz knapp über 50. Habe immer unglaublich viel Spaß am schminken, stylen und .... . In letzten Zeit merke ich auch das mich das immer mehr Energie kostet und das es nicht immer von ihnen kommt sondern von außen erwartet wird. Ich denke mir oft wenn ich 4 Stunden bei Frisör sitze was ich lieber mit diese Zeit machen würde. Ich hoffe das meine Innere Stimme auch ganz deutlich mit mir spricht. Und das meine innere Schönheit strahlt. 23
FTF, Sabine Fuchs
12•03•2019
Ich habe auf meine innere Stimme länger gewartet :)). Aber jetzt war sie ganz deutlich da. Ich glaube, du wirst es merken, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Vielleicht ja auch nie.. Das ist ja das Schöne. Wir können tun und lassen was wir wollen :))
Carmen
12•03•2019
Du sprichst mir aus der Seele! Mein erstes graues Haar hatte ich mit 16! Mit 35 merkte ich dass der Ansatz grau wurde. Also fleißig gefärbt...mit Chemie, und später mit Natur, dann wieder zurück zur Chemie...bis meine Kopfhaut austickte. Ich hatte keine Lust mehr. Ganz zu schweigen von der Zeit die jedesmal drauf ging. Ich bin zum Friseur und wollte einen sanften Übergang mit Strähnen. Raus gekommen ist ein Blondierunfall mit teilweise grünem Haar, dank dem jahrelangem färben mit Naturfarbe. Völlig verzweifelt hab ich dann einen neuen Friseur gesucht und auch gefunden. Der Mann ist ein Gott! Er hat meine Haare nicht nur gerettet, sondern es auch so hinbekommen dass es wunderschön aussieht! Ich bin jetzt aschblond, und der silbergraue Ansatz fügt sich harmonisch ein. Ich finde ich sehe jetzt sanfter, leuchtender aus. Dunkel wäre mir jetzt zu hart und würde mich auch älter und verbissener aussehen lassen. Mein Silberhaar gehört zu mir, ich will es nicht verstecken.
FTF, Sabine Fuchs
12•03•2019
Ich habe auch so einen gottähnlichen Friseur. Er beruhigt mich immer und sagt: “Wenn es Ihnen zu heftig wird, dann färben wir eben Strähnchen. Damit kann ich im Moment gut leben. Meine Haare sind mit dem Färben zunehmend gelb geworden und das fand ich wirklich grauenvoll. Nur ist mir jetzt wichtig, immer einen coolen Haarschnitt zu haben. D.h. was ich früher fürs Färben ausgegeben habe, gebe ich jetzt für den Schnitt aus. :)
Beate Finken
12•03•2019
Ganz toller Artikel. Danke. Ich bin auch jeden Tag am überlegen, ob ich anfange. Heute morgen bin ich wieder auf der Seite "ich werde grau". Ganz viele Grüße Beate von BeFifty
FTF, Sabine Fuchs
12•03•2019
Liebe Beate, et kütt wie ett kütt. Vielleicht kommt der Zeitpunkt, vielleicht aber auch nicht. Eines ist sicher: Du hast so oder so Traumhaare :)))
petra
12•03•2019
Meine Kinder, vor allem der Jüngste mit fast 18?ist entsetzt über meine Entscheidung, nicht mehr zu färben. Mein Harr kam so weiss raus, dass ich selber erschrocken bin und nun andere Wege gehe. Ich bin der festen Überzeugung, dass die ganze Chemie, die man sich so auf die Kopfhaut streicht, von den Zellen innen ebenso aufgenommen wird und jeglicher Farbrest im Haar selbst einfach tot gemacht wird. Also hab ich mit einer südamerikanischen Bekannten im Fitness-Studio beratschlagt und nutze nun echte Pflanzen für meine Haare. Es dauert, aber es wirkt. Es ist nicht mehr so ne künstliche kräftige Farbe, aber das weiss wird milder und dunkler. Und damit kann ich für den Moment gut leben. Und vll seh ich es entspannter, weil ich mit dem Rest so zufriden bin, nach 30 Kilo weniger trage ich Grösse 36, bin fit wie ein Turnschuh und körperlich gefühlt besser als damals mit 30. Und ich hab Locken, der neue Fitnesstrainer hat mir gesagt, dass sie kürzlich geredet haben, wer denn dies junge Madl mit den tollen Locken ist ***. (der andere kennt mich schon länger, sagte aber auch, dass meine Haare immer schöner werden) Was solls, wenn sie mich von hinten auf 22 schätzen *** Das hat jetzt mit Oberflächlichkeit nichts zu tun, mir war es immer peinlich, mit meiner Mutter unterwegs zu sein, sie war schon immer alt- so wollte ich nie werden und das ist mir gelungen.
FTF, Sabine Fuchs
12•03•2019
Liebe Petra, ja das Wichtigste ist, dass wir uns wohlfühlen. Und wie schön, dass du einen Weg für dich gefunden hast. Meine Tochter fand es übrigens auch ganz lange schrecklich, dass ich nicht mehr gefärbt habe. Vor kurzem meinte sie mal: Doch das Grau steht dir :) Und ich gebe dir Recht, Fitness gibt uns Power. Haarfarben hin oder her. LG Sabine
Sam
15•03•2019
Hallo, bin heute morgen zufällig auf die Seite gekommen. Toller Blog. Zu den grauen Haaren möchte ich sagen, ich finde sie toll. Färbe seit 4 Jahren nicht mehr und fühle mich wohl damit. Zwischenzeitlich kamen immer mal wieder diese Gefühl, ich färbe wieder , mein Gott siehst du aus. Aber ich hab’s dann gelassen, auch dank meiner Tochter, die selber Friseurin ist. Allerdings habe ich eine kurzhaarfriseur. Zum wachsenlassen sind zu wenig Haare. Aber es ist ok. Meine Haare sind dunkel mit Silber meliert. Also weiter so.
FTF, Sabine Fuchs
17•03•2019
Liebe Sam, daaaaanke für das Kompliment. Ja dieses Gefühl, mein Gott wie sehe ich denn aus, kenne ich auch, Aber ich glaube, es ist work in Progress ;). Keep u informed. Liebe Grüße Sabine
Gabriele van de...
29•03•2019
Ihr beide habt echt immer so tolle Fotos, die machen immer gute Laune!!! Liebe Sabine, die grauen Haare müssen einem aber auch stehen. Bei Dir ist die Transition eine gute Entscheidung! Du siehst wirklich bezaubernd damit aus, strahlend und perfekt! Irgendwie muss das grau auch mit dem Hautton harmonieren... Du wirst lachen, aber da ich der rötlich blonde Typ bin, sieht das grau im Ansatz wirklich unstimmig aus. Der kalte Farbton sieht zu meinem warmen Hautton nicht "cool" aus, wie bei Dir, sondern "cool" uncool. "Trying to stay blond forever" 0.2. :-)
FTF, Sabine Fuchs
29•03•2019
Ja liebe Gabi, jeder so wie es für ihn passt. Ist das nicht wunderbar, dass wir diese Freiheit haben? Und danke für das Kompliment mit unseren Fotos :)) Blond ist auch einfacher, wenn man älter wird, Braun ist eine Herausforderung beim Färben. Meine Farbergebnisse wurden leider immer gelber ...
Ulli
02•04•2019
Ich bin erst gestern auf euren Blog aufmerksam geworden und finde ihn toll. Und ja, die grauen Haare schauen echt super bei Dir aus, vor allem wenn sie hochgesteckt sind. Und ich finde nicht, dass Du damit älter ausschaust, sondern sie unterstreichen deine natürliche Schönheit. Zu dunkel gefärbte Haare lassen Frauen ab dem Mittelalter (bin selbst 50) hart und irgendwie künstlich wirken. Und durch die fehlerhafte Anwendung von Selbstfärbeprodukten (oder schlechten Friseur*innen) werden leider die Haare vieler Geschlechtsgenossinnen dunkler als sie ursprünglich waren und damit wirkt man dann wirklich blasser und älter. Ich kenne - leider - viel zu wenige Frauen in unserem Alter, die "grau tragen", aber alle wirken sehr gepflegt, attraktiv und vor allem selbstbewusst. Grey is beautiful!
FTF, Sabine Fuchs
02•04•2019
Liebe Uli, wie schön, dass dir unser Blog gefällt und ich freue mich sehr über dein Kompliment zu meinen grauen Haaren. Dankeeee sehr!

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