31•10•2021 ••

Fehlermeldung #2, Weihnachten

Eigentlich wollten wir ja viel regelmäßiger die Paarkolumne schreiben. Aber schwupps ist ein Jahr um. Hier kommt sie, die Nummer 2 unserer Fehlermeldung. Thema Weihnachtsvorbereitungen:

 


24.


Geht es euch auch so, dass diese Zahl spätestens dann, wenn die Blätter der Bäume sich gelb färben, eine leichte Panik in euch hervorruft? Jene von euch, denen es genauso geht, wissen, wovon ich spreche. Ich spreche von Weihnachten. Denn in unserer Beziehung hat, was Weihnachten betrifft, nur eine (scheinbar – aber dazu später) die Hosen an. Und das bin ich. Also spätestens ab Anfang November frage ich pflichtschuldigst bei unseren Töchtern Wunschlisten ab, also das, was früher die unschuldigen Briefe ans Christkind waren. Natürlich ist unseren erwachsenen Töchtern schon lange klar , dass ich das Christkind bin. Und spätestens Mitte November beantworte ich die Fragen der Omas bzw. besorge ich Geschenke für die Omas, denn: „Du weißt ja, Weihnachten kommt schneller als du denkst.“

Meistens bin ich tatsächlich relativ früh dran und habe nach der ersten Adventswoche alle Geschenke (so zumindest denke ich). Lehne mich dann zufrieden zurück und lasse die anderen darüber klagen, dass sie noch kein einziges Geschenk haben. Freue mich, dass ich so organisiert bin und schaue die überschaubare, aber doch liebevolle Auswahl an Geschenken an, die ich getroffen habe. Denn natürlich können unsere Töchter zwar Wunschlisten schreiben, aber da mein Mann und ich vor Jahren einmal ein bestimmtes Budget festgelegt haben, muss eben eine Auswahl getroffen werden. 


Denn schließlich sollten unsere Kinder ja lernen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Wunsch und Wirklichkeit.


Hin und wieder berichte ich meinem Mann dann von den Geschenken, die ich besorgt habe, aber irgendwie habe ich immer das Gefühl, er hört mir gar nicht so richtig zu …

 

Bis, ja, bis so ca. der 4. Advent ist. Dann wird mein Mann aktiv: „Was kochen wir denn dieses Jahr zu Weihnachten?“ Uuuuund: „Zeige mir doch mal die Geschenke?“ Und genau mit diesem Satz fühle ich mich zurückversetzt in meine Anfangszeiten als Junior-Ad in einer Hamburger Werbeagentur, wenn ich meine Layoutideen präsentieren sollte. Denn jedes Jahr ...


(ja, wir lieben Rituale)


... schaut er mich nach meiner stolzen Präsentation der Geschenke völlig konsterniert an und sagt: „Und das ist jetzt alles?“ Dann erkläre ich ihm wie jedes Jahr (wir lieben Rituale), dass wir ja vor Jahren ein bestimmtes Budget festgelegt haben und dass ich diese Geschenke wirklich ausreichend finde. Natürlich will er dann die Briefe der Kinder ans Christkind sehen und damit beginnen dann unsere Verhandlungen, die bestimmt ähnlich schwierig sind wie die derzeitigen Verhandlungen zur Ampel-Koalition.

Nur dass es bei uns tatsächlich Gewinnerinnen gibt: Unsere Kinder. Denn mein Mann ruht nicht (Onlinebestellungen sei Dank), bis die kompletten Listen abgearbeitet sind.


Wie war das noch einmal mit dem wirklich wichtigen Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit?


Moooooment mal, meine liebe Super-Santa-Clausine, bevor du dir gleich selbst den himmlischen Rentier-Orden am güldenen Geschenkbändchen verleihst: Sooo einfach ist es halt nicht mit der alljährlichen Packerl-Parade unterm Tannenbaum. Klar, eine vorausschauende Logistik - unter besonderer Berücksichtigung des Erziehungsauftrags in puncto Wunsch und Wirklichkeit - mag auf den ersten Blick löblich erscheinen, doch in der Realität stellen sich die Aufgaben eines Christkinds für schnöde Erdenbewohner halt als deutlich vielschichtiger heraus ... 


Seien wir doch mal ehrlich: Was vor mehr als 2000 Jahren in Bethlehem mit Gold, Weihrauch und Myrrhe begann, müssen wir jetzt jedes Jahr aufs Neue ausbaden.


Dabei möchte ich aber gleich eines klarstellen, damit da kein falscher Eindruck entsteht: Ich schenke wirklich von Herzen gerne. Und damit meine ich nicht das möglichst vollständige Last-Minute-Abhaken einer Liste, wie du es hier suggerierst. Ich bilde mir sogar ein, einen gewissen Ruf als kreativer Schenker mit gelegentlich überraschenden Ideen zu genießen ... aber das mag eine verzerrte Selbstwahrnehmung sein.

Fest steht jedoch: Wenn ich zu Weihnachten gelegentlich übers Ziel hinausschieße, ist das häufig schlicht eine Frage des Timings: Änderungen der Prio-Liste sowie Nachbestellungen ans Christkind sind eher die Regel als die Ausnahme. Denn das Beste kommt eben auch bei den Wünschen häufig zum Schluss – ohne jede Rücksicht auf einen bereits gut gefüllten und längst Richtung Himmelspforten abgeschickten Warenkorb. Und, was soll ich sagen: Dann kann ich nicht anders. Im Lichterglanz unterm Tannenbaum möchte ich einfach nur glückliche Gesichter sehen. 

Vielleicht bin ich ja nur schwer harmoniebedürftig, bestimmt sogar, aber womöglich hat das auch mit einem kleinen Trauma zu tun.


Ich erinnere nur daran, ohne jetzt in Details gehen zu wollen, dass der Osterhase in grauer Vorzeit mal mit einem didaktisch wertvollen Geschenk in seinem ansonsten sparsam bestückten Nest ziemlich in die Sch... gegriffen hat.


Heute lachen wir alle darüber, aber den fassungslosen Blick unserer Vorschul-Tochter haben wir auf Video für die Ewigkeit festgehalten. Womit wir wieder in Bethlehem wären: Dem Kind in der Krippe wäre so ein Fauxpas ziemlich wurscht gewesen.

In gewisser Weise gilt das aber auch noch heute bei uns. Denn die Wahrheit ist: Natürlich erfüllen wir nicht jeden Wunsch, auch wenn wir alle Jahre wieder (Rituale!) darüber diskutieren. Um gerecht zu sein, wird das von den Beschenkten aber auch gar nicht wirklich erwartet. Im Gegenteil. Es ist ja auch eine Überraschung, was von der Liste unterm Baum liegt und was nicht (wenn es schon mit den echten Überraschungen immer schwieriger wird). Ein Aspekt, der bei mir – zugegebenermaßen – manchmal kurz vor Weihnachten zugunsten von Panikkäufen etwas in Vergessenheit gerät. Gut, dass dann Super-Santa-Clausine da ist und das Wichtigste längst liebevoll erledigt hat. Und ich am Ende doch noch ein paar Rosinen beisteuern darf. Fazit: Wir ergänzen uns halt einfach wunderbar, das ist insgesamt schon sehr schön, und wenn es um die Bescherung geht, dann haben alle was davon. 


Anmerkung FTF: Wer schon mal nach Weihnachten schauen will, kann auch auf unseren Shooooop gehen ;) >>


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Kommentare

Manuela Scherer
04•11•2021
:-)herrlich ich les hier sozusagen "unsere" vorweihnachtliche Situation! Es geht also nicht nur euch so !!!
FTF, Sabine Fuchs
04•11•2021
:)), sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?? Oder so. Lieben Gruß Sabine
Annette
05•11•2021
Herrlich ihr beiden...ja das mögen wir auch sehr.. Rituale und die sind auch immer wieder ein Lacher wert.. Ich habe sogar die Päckchen gezählt und geguckt daß jeder gleich viel hat..noch bis vor 2 Jahren :-) Die Kinder.. Mittlerweile zum Teil selber Eltern wollten keine Geschenke Flut mehr und haben das Wichteln vorgeschlagen.. jeder hat einen Wunsch frei.. einen etwas größeren...und so hat jeder etwas unterm Baum und nur einen zu beschenken.. sehr entspannend.. ausgenommen sind die ENKELMÄUSE..merry Christmas
FTF, Sabine Fuchs
05•11•2021
Liebe Annette, die Rituale ...., aber jetzt habt ihr scheinbar ein sehr entspannendes Ritual gefunden. Wie schön. Liebe Grüße Sabine
Doris Raevic-Benz
05•11•2021
Liebe Sabine, bin ich froh, dass ich a) keine Geschenkeliste von Kindern abarbeiten muss und b) die ganze Familie keine Weihnachtsgeschenke macht! Eigentlich ist das eine verbindliche Abmachung. Meine Schwester hat kurz vor Weihnachten Geburtstag und mein Mann ein paar Wochen vorher, so dass ich manchmal mogeln kann und ein Geschenk als „Geburtstagsgeschenk“ deklarieren kann, das aber aufgrund seines pekuniären oder mengenmäßigen Umfangs, die vereinbarte tolerierte (gilt auch für Geburtstage!) „Kleinigkeit“ übersteigt. Ich sage dann stets dazu, das sei gleichzeitig auch das Weihnachtsgeschenk (auf das wir vertraglich ausdrücklich verzichten). Das beruhigt das Gewissen der Schenkenden, also meiner Person, und des Beschenkten und erlaubt ungetrübte Freude.
Soviel zur Verbindlichkeit von Familienverträgen. Der Familienvertrag „Keine Geschenke an Weihnachten, da wir keine Kinder mehr sind“ wird auch gerne von meinem Gatten gebrochen. (Ich werde dies bei der Verhandlung unserer Scheidung genüsslich als eine seiner desaströsen Fehlleistungen in unserer Beziehung anführen!) Für selbigen ist es einfach nicht Weihnacht, wenn er keine Geschenke verteilen kann. Er lässt sich sogar dazu herab, die gerade noch so tolerierten „Kleinigkeiten“, wie Bücher, Seifen, Gutscheine, sorgfältig in Papier zu schlagen und mit Schleifen und Kärtchen zu versehen. Dabei unterscheidet er sorgfältig zwischen „Männer-„ und „Frauengeschenken“. Er weiß, was sich gehört, auch die Beschenkung mit dem Worten „Ist ja nur eine Kleinigkeit und nicht der Rede wert!“ zu begleiten. Aus Rache, und nur deshalb, habe ich diesmal ein paar Wochen vor seinem Geburtstag für ihn eingekauft. Weil ich weiß, dass er vor Neugierde platzt, habe ich dem Gatten erzählt, dass ich gerade für ihn Geschenke einkaufen war, und gefragt, ob er noch bis zu seinem Geburtstag und bis Weihnachten mit der Bescherung warten könne. Natürlich wollte er alles sofort – er ist schon sehr berechenbar. Ich habe nichts in Papier gewickelt, also würdig präsentiert, sondern einfach frisch aus der Einkaufstüte vor ihm ausgebreitet. Wie ein Schneekönig hat er sich gefreut und wünschte sich, – auch hierin ist er für mich ein offenes Buch –, zu seinem Geburtstag, also genau an diesem Tag, nur noch sein Lieblingsessen von mir, um diesen besonderen Tag zu feiern, eine serbische Bohnensuppe. Jedoch musste Schatzi just an diesem Tag arbeiten und bat mich darum, das Kredenzen dieser Köstlichkeit auf einen anderen Tag zu verlegen. Zufällig ist Serbische Bohnensuppe auch das Lieblingsessen meiner Schwester. Ich mach das dann an ihrem Geburtstag, für beide.

 Dieses Jahr, das habe ich mir geschworen, schenke ich wirklich niemandem was. Nur meiner Schwiegermutter. Und einer Freundin. Eventuell, wenn ich was Passendes sehe, so am Vorbeigehen … wahrscheinlich einen Tag vor Weihnachten …
 Mit der Scheidung lasse ich mir ziemlich viel Zeit. Mindestes noch eine Bohnensuppe lang. Liebe Grüße und noch eine schöne Vorweihnachtszeit Doris
Gudrun
05•11•2021
Ach so herrlich geschrieben. Das könnte bei uns zu Hause sein. Herzliche Grüße Gudrun
FTF, Sabine Fuchs
05•11•2021
Ha, ha, scheint also nicht so selten zu sein, dass Männer die großzügigeren Schenkel sind ;) Ein bisschen Zeit haben wir ja noch bis zum Show Down. Lieben Gruß Sabine

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